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Auswertung des Einkaufsverhaltens:Offline tun, was online möglich ist

Dem prominenten US-Senator Charles Schumer geht das britische System dennoch zu weit: "Es kann nicht Sache der Kunden sein, ihr Handy auszuschalten, wenn sie eine Shopping Mall betreten, damit sie nicht virtuell verfolgt werden", sagte er, als bekannt wurde, dass zwei amerikanische Malls das System am Black Friday, dem Tag nach Thanksgiving Ende November, eingesetzt hatten.

"Handys der Kunden sollten nicht von Dritten als Mittel eingesetzt werden, um deren Spuren aufzuzeichnen", forderte der Senator. Die britische Firma hält dagegen, dass man nur das tue, was sich in der Online-Welt schon längst eingebürgert habe. Daten auf der Ebene eines Individuums würden niemals weitergegeben, alle Kunden würden zudem gebeten, darauf hinzuweisen, dass ihr System in Betrieb sei.

Die meisten Überwachungssysteme dienen nicht bloß dazu, Kundenströme zu erfassen, sondern sollen auch Ladendiebstahl verhindern. "In weltweit vertretenen Ladenketten kommt schon etwas zusammen, wenn in jedem Geschäft täglich für ein paar hundert Euro Ware wegkommt", sagt Roland Billeter von ADT. Weil ein gutes Überwachungssystem bis zu 90 Prozent davon verhindern könne, machten sich dessen Kosten schnell bezahlt.

Ein Dieb bewegt sich anders

Neben den bekannten Systemen, die mit gut sichtbaren Ansteckern arbeiten, die an der Kasse entfernt werden, gibt es auch nicht unmittelbar sichtbare Schutzvorrichtungen. Software von ADT ist beispielsweise in der Lage, verdächtige Bewegungsmuster potentieller Ladendiebe zu erkennen. "Ein Dieb bewegt sich anders als jemand, der nichts stehlen will", sagt Billeter.

Das Videoüberwachungssystem weise den Operator auf solche Auffälligkeiten hin, die dieser dann weiterverfolgen kann. Zwei der vier größten Ketten seien gerade dabei, auf Bekleidungslabel umzusteigen, die einen kleinen Chip enthalten, sagt Billeter. Für die Firmen bringt die Technik mit Radio Frequency Identification (RFID) viele Vorteile. Die Inventur lässt sich für ein durchschnittliches Ladengeschäft in einer halben Stunde erledigen, Container und Kartons müssen nicht eigens geöffnet werden, um zu sehen, was darin ist.

Gegen die schlauen Labels, die eine Ziffernkombination zurückfunken, wenn sie ein elektromagnetisches Signal von einem Lesegerät erhalten, gibt es aber auch Datenschutzbedenken. So protestierte erst vor kurzem die Datenschutz-Initiative Foedbud in Bielefeld vor einem Geschäft der Gerry-Weber-Kette, die bereits auf RFID-Labels setzt. Das Problem lässt sich allerdings lösen: Man braucht das Label nur an einer bereits dafür vorgesehenen Linie abzutrennen.