Architekt über Smart Homes "Kunden müssen technikverliebt sein"

Wann schlagen Sie denn vor, über so ein Haus nachzudenken?

Gar nicht, das muss schon vom Kunden kommen. Die müssen technikverliebt und computeraffin sein. Wir bieten an, ein Haus mit einer gewissen technischen Kontrolle zu entwickeln, wollen das aber nicht übertreiben. Wenn die Bauherren aber sagen, dass sie gerne Kontrolle über das Licht, die Sicherheit und den Sound hätten, dann bin ich begeistert.

Warum genau?

Ich würde drei Gründe nennen. Erstens, die Energie-Effizienz: Man spart sich zum Beispiel Heizkosten. Zweitens, es ist grundsätzlich interessant, sich damit zu beschäftigen, was die Technik hergibt. Man kommt mit seinem Haus in der Jetztzeit an. Man kann von unterwegs mit seinem iPhone schauen, was in dem Haus so passiert. Drittens, rein architektonisch ist es interessant, weil viele Dinge weggeplant werden können.

Das heißt?

Die Lautsprecher werden zum Beispiel in die Rohdecken eingelassen. Das ist zwar ein Aufwand, aber später kann ich den Sound steuern und kontrollieren. Ich kann alles anwählen, entkoppeln und anbinden. Das gleiche gilt in Sachen Elektrik. Ich kann Stromkreise und Schaltungen zuweisen, kann so Stimmungen erzeugen. Zum Beispiel das "Heute Abend kommt meine Freundin"-Szenario oder aber ich will einen Film sehen und die Lichter werden entsprechend der Einstellungen gedimmt. Das finde ich sinnvoll, das ist definitiv ein Komfort, eine Flexibilität in der Kontrolle.

Also geht es um Behaglichkeit. Ist das, was Sie beschrieben haben, nicht ein bisschen wenig an Komfort?

Idealerweise würde es sich dahingehend entwickeln, dass das Smarthome auf meine physische Anforderung reagiert, auf mein Wohlbehagen. Dass es zum Beispiel meinen Körper scannt und merkt, dass mir kalt ist und die Wärme hochdreht. Das passiert, ohne dass ich alles selbst einstellen muss und stundenlang vor meinem Touchscreen stehe. Aber davon sind wir noch sehr weit weg.

Oft ist es so, dass intelligente Bürogebäude das Wohlbehagen überhaupt nicht berücksichtigen - da werden Jalousien hoch- und runtergefahren, ohne dass es nachvollziehbar wäre.

Ja, man muss die zwei Bereiche unterscheiden, also Häuser und Büros. Im Büro gibt es ganz andere Anforderungen. Da macht es mehr Sinn, das großflächig anzuwenden, um Einsparungen vorzunehmen. Da passieren Dinge willkürlich. Die Jalousien reagieren auf Reflektionslicht, das man persönlich nicht als unangenehm empfindet. Aber die Jalousien gehen zu und das Haus heizt sich weniger auf. Das sind ein paar Grad Wärme, also Einsparungen. Als Mensch in dem Gebäude ist man aber kurz erschrocken, dass sich die Jalousien von alleine bewegen.

Aber Sie als Architekt reden ja auch von Lichtstimmungen und Behaglichkeit, also argumentieren so, dass Menschen sich wohlfühlen sollen.

Ja, aber auf Büroebene ist das sekundär.

Was ist denn primär?

Dass das Gebäude optimiert wird. Es ändern sich die Verhältnisse, wenn Mitarbeiter in einem Raum sind und den aufheizen. Das muss gekühlt werden. Mehr als in anderen Situationen, wenn weniger Menschen da sind. Solche Häuser arbeiten ja auch durch die Strahlungswärme der vorhandenen Maschinerien und fügen nur in geringem Maße externe Wärme dazu. Da passieren Automatismen, die unerwünscht sind.

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Kann man dagegen etwas ausrichten?

Man kann individuell nacharbeiten, um das zu optimieren. Zum Beispiel mit der letzten Instanz des persönlichen Eingriffs. Man muss sagen können: "Jetzt langt es mir". Die Technik soll schließlich den Benutzer nicht dominieren.