Ägyptische Blogger und die Proteste "Es gibt kein Zurück mehr"

Die Wut aus dem Netz: Ägyptens Blogger stehen im Zentrum der Revolte und müssen deshalb um ihr Leben fürchten. Doch einschüchtern lassen sie sich nicht - viele haben nichts mehr zu verlieren.

Von Karin El Minawi

Für Sandmonkey war es das nackte Grauen: Auf dem Weg zum Tahrir-Platz, dem Herzen der ägyptischen Revolte, hatten Anhänger Mubaraks den 29-Jährigen und vier seiner Freunde abgefangen. Die Männer versperrten die Weiterfahrt zum "Platz der Befreiung", schlugen mit Stöcken und Keulen auf Dach und Fenster, demolierten das mit Lebensmitteln und Verbandsmaterial beladene Auto.

Proteste in Kairo

Gekommen, um zu bleiben

Dann knüppelten mehrere Dutzend Schläger auf die Wehrlosen ein. Sie wollten sie aus dem Wagen zerren, beschimpften sie und versuchten, den Wagen umzukippen.

Das alles passierte in Gegenwart der Polizei. Eine halbe Stunde lang beobachteten die an der Straße postierten Beamten, wie Mubarak-Anhänger mit Gewalt gegen Regimekrtitiker vorgingen. "Das waren die längsten Minuten meines Lebens", sagt Sandmonkey.

Der Blogger (seine Seite finden Sie hier) - das Gesicht mit Prellungen und verkrusteten Schürfwunden gezeichnet - ist kein Ängstling. Doch er sagt: "Das war die Hölle." Nach der Prügelei schritt die Polizei dann doch noch ein, auf der falschen Seite: Die Geschundenen mussten vier Stunden auf einer Polizeistation verbringen, bevor sie wieder frei gesetzt wurden.

Sandmonkey, 29, ist einer der vielen ägyptischen Blogger, die von Tag eins der Revolte an dabei sind. Er hat Tränengas und Knüppel über sich ergehen lassen. Das war es ihm wert. Seit Jahren versuchen er und andere, den Unmut der Jugend über das korrupte System via Internet auf die Straße zu leiten. "Endlich sind die Ägypter aufgewacht", glaubt er. Auslöser der Revolte war die Facebook-Gruppe "Wir sind alle Khaled Said".

Google-Manager in Haft

Der Blogger Said wurde im Sommer 2010 von zwei Zivilpolizisten auf offener Straße zu Tode geprügelt. Die Facebook-Gruppe mit ihren über 480.000 Anhängern ernannte den 25.Januar zu Ehren von Said zum "Tag der Wut", rief zu Massenprotesten auf.

Wael Ghonim, Gründer der Facebook-Gruppe, verschwand am ersten Tag der Revolte für zwei Wochen. An diesem Montag ließ ihn die Polizei frei. Darüber freute sich wohl auch der Internetkonzern Google, für den Ghonim als Manager in Dubai arbeitet. Google stellte klar: Ghonim sei privat und nicht geschäftlich in Ägypten gewesen.