Anzeigen im Internet:Adblocker sind umstritten - aber weit verbreitet

Auf Computern, also Desktops und Laptops, gibt es diese Blocker schon länger. Manche Anbieter haben sich zweifelhaften Ruhm damit erworben, sich von betroffenen Firmen gesondert dafür bezahlen zu lassen, werbeblockenden Nutzern die Reklame doch auszuspielen. Ein Geschäftsmodell, das nicht nur Branchenbeobachter merkwürdig finden. Mehrere Medienunternehmen haben gegen Anbieter von Adblockern geklagt, darunter auch die Süddeutsche Zeitung.

Besondere Popularität haben Adblocker in den vergangenen Tagen erlangt, seit Apple sie für jene Computer anbietet, die früher einmal Telefone waren. Im mobilen Betriebssystem iOS9 kann man nun auch auf dem Smartphone Werbung blocken. In der amerikanischen Werbebranche hat dies für so viel Aufregung gesorgt, dass ein Experte sogar die Vermutung twitterte, der Papst werde sich bei seinem Besuch in den USA zu dem Thema äußern.

Die halbe Medienbranche diskutiert über Werbe-Blocker

Das tat er nicht - anders als nahezu jeder Web- und Werbe-Experte. Denn spätestens durch die Block-Optionen von Apple droht aus dem Thema, das bisher nur Branchenexperten diskutierten, eine Debatte zu werden, die weitere Teile der Gesellschaft betrifft. Dabei beschreibt die moralische Frage, ob man Adblocker nutzen und damit werbefinanzierten Medien ihre Einnahmen abschneiden darf, nur einen Teil des Veränderungsprozesses, den diese in Gang gesetzt haben. Die weitaus größere Frage lautet: Wie wird Werbung in Zukunft aussehen?

Denn die großen Internetanbieter von Facebook bis Apple wollen sich nun auch an dem Geschäft der Werbeindustrie beteiligen - und zwar zu ihren Bedingungen. Ihr Versprechen: In ihren Angeboten (das heißt zum Beispiel in der News-App von Apple oder im Stream von Twitter und Facebook) funktioniert Werbung, ohne dass sie geblockt werden kann, und zwar besser denn je: Mit dem wachsenden Wissen der Internetfirmen über die Vorlieben ihrer Nutzer entsteht in den geschlossenen Angeboten dieser Unternehmen ein Ökosystem, in dem zielgenaue Werbung wunderbar wachsen kann - ganz ohne die Kreativität eines Don Draper, dafür mit der Hilfe von Algorithmen.

Die optimistische Sicht: Adblocker werden die Werbung besser machen

Die Alternative zu diesen geschlossenen Systemen baut auf womöglich gute Ideen derjenigen, deren Geschäftsmodelle die großen Internetunternehmen gerade angreifen - und führt vielleicht zu einem Wiedersehen mit Don Draper: Schafft es die Werbe- und Medienindustrie, einen tatsächlich neuen Blick auf ihr Produkt zu werfen und Reklame zu entwickeln, die technisch und inhaltlich anders funktioniert, vielleicht sogar attraktiver ist als diejenige, die heute geblockt wird?

Farhad Manjoo, Technik-Kolumnist der New York Times, die genauso wie die Süddeutsche Zeitung davon betroffen wäre, hält das durchaus für möglich. Schließlich sei dies das Prinzip der Digitalisierung: dass neue technische Möglichkeiten auch neue und nicht selten bessere Angebote nach sich ziehen. Manjoo prognostiziert, dass die Debatte um Adblocker vor allem zu einem führen wird: zu besserer Werbung.

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