Unis und Umweltschutz:Fairsuch

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Bunte Plakate auf dem Campus, Quinoa auf dem Teller: über Hochschulen auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen.

Von Gianna Niewel

Studenten locken? Nein, also das sei wirklich nicht die Absicht gewesen, beteuert die Dame aus der Steuerungsgruppe in Leipzig. Bei ihnen wollten sich schon jetzt jedes Semester viel mehr junge Männer und Frauen einschreiben, als die Uni aufnehmen könne. Vor knapp drei Wochen zeichnete der Verein Transfair das Bemühen um Fairen Handel an der Uni Leipzig aus. Seither darf die sich "Fairtrade University" nennen, es gab eine Urkunde, die Leipziger Volkszeitung berichtete. Das Zertifikat scheint vor allem als Werbung gedacht zu sein, als Aushängeschild auch. Oder nicht?

Dass Unis auf diese Weise ausgezeichnet werden, ist relativ neu. Die Universität des Saarlandes in Saarbrücken hatte im Mai 2014 den Anfang gemacht, ihr folgte die Uni Rostock. Nun setzt also auch Leipzig ein "sichtbares Zeichen für nachhaltige Zukunft". Und Sichtbarkeit scheint dringend notwendig: Von bundesweit 427 Universitäten und Hochschulen tragen gerade einmal drei den Titel Fairtrade University.

Plakate auf dem Campus, Glücksräder vor der Mensa - und Quinoa auf dem Teller

Hierum bewerben sich die Unis, Fragebogen inklusive. Auf drei Seiten müssen sie nachweisen, dass sie fünf Kriterien erfüllen. Los geht es mit einem Hochschulbeschluss, der fällt ebenso in die sperrige Kategorie Verwaltung wie der nächste Punkt: die Bildung einer Steuerungsgruppe. Die soll aus mindestens drei Personen bestehen, einem Studenten, einem Vertreter der Hochschulverwaltung sowie einem Mitarbeiter aus Kantine oder Mensa. Die Steuerungsgruppe koordiniert und organisiert.

So weit, so theoretisch. Das dritte Kriterium beschäftigt sich dann auch ganz praktisch mit fairem Handel: Will sich eine Uni bewerben, sollte sie alle drei Monate mit einer Veranstaltung auf dem Campus auf Fairtrade aufmerksam machen, mit Infoständen zum Beispiel. Bei offiziellen Veranstaltungen sollten mindestens zwei Fairtrade-Produkte angeboten werden; das kann Kaffee von Kleinbauern aus Honduras sein oder Rooibostee aus Südafrika. Zu guter Letzt sollten in 50 Prozent der Mensen und Kioske auf dem Campus mindestens zwei Fairtrade-Produkte erhältlich sein.

Moment mal. Wenn nur in jedem zweiten Café auf dem Campus zwei Produkte angeboten werden, lässt sich Fairtrade dann nicht allen voran eines: einfach ignorieren? Dabei ist der Aufwand einigermaßen hoch, in Leipzig jedenfalls beschäftigen sich Studenten, Studierendenwerk und Verwaltung seit März mit dem Thema, allen voran die Studentenorganisation Oikos, die sich auch sonst für Nachhaltigkeit einsetzt. "Was wir in der Bewerbung fordern, sind ja nur die Mindestkriterien", hält Diana Schlegel vom Verein Transfair dagegen. Das Zertifikat solle nur der Startschuss sein, um eigenes Engagement zu entwickeln.

In Saarbrücken ist man da schon weiter: Plakate auf dem Campus, Glücksräder auf dem Weg in die Mensa. Hier wird ein bemüht faires Menü angeboten, mal mit Quinoa, mal mit fair gehandeltem Reis. Die Produkte, die nicht aus fairem Handel stammen, kommen immerhin von Bauern aus der Region. Kostenpunkt für ein Mittagessen? Etwa 2,50 Euro. Nur 30 Cent mehr als ein normales Gericht. Auch das Obst zum Nachtisch - Mango, Papaya, Bananen - sei aus fairem Handel, sagt die Dame vom Studentenwerk. Den Saarbrückern übrigens kann man viel vorwerfen, aber nicht, dass sie mit ihrem Fairtrade-Status übermäßig werben würden. Der Hinweis darauf ist auf der Homepage der Universität ziemlich versteckt.

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