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Studienfinanzierung in der Pandemie:Akademiker auf Pump

Studis in Not: So klappt der Online-Antrag für Überbrückungshilfe

Die Corona-Pandemie vernichtete die Jobs Hunderttausender Studierender. Viele gerieten in finanzielle Not.

(Foto: dpa-tmn)

Der staatliche KfW-Studienkredit ist trotz Krisenbonus der Bundesregierung vor allem eines: teuer.

Von Susanne Klein

Als Studierende im März 2020 die erste große Petition in Sachen Corona starteten, war das ein dringender Hilferuf: Tausende beschrieben auf der Website "Soforthilfe für Studierende jetzt", wie buchstäblich über Nacht ihre Jobs wegbrachen. Und das war erst der Anfang. Mehr als eine halbe Million Studentinnen und Studenten gerieten binnen weniger Wochen in ernste finanzielle Schwierigkeiten, wie eine repräsentative Studie im Mai zeigte. Dem hielt das Bundesbildungsministerium (BMBF) zwei Maßnahmen entgegen: einen schwer zugänglichen Fonds mit kargen Überbrückungshilfen - und einen Zinsnachlass beim Studienkredit der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Wie klein der Nachlass und wie groß die Schuldenlast dieses Kredits ist, zeigt nun die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Wer das Kreditmaximum von 650 Euro im Monat ausschöpfte, häufte in einem Jahr eine Kapitalschuld von 7800 Euro an. Hinzu kommt bei einem zehnjährigen Standard-Tilgungsplan eine Zinslast von 2560 Euro. Davon tragen die Studierenden 2380 Euro. 180 Euro übernimmt das BMBF - als besonderes Corona-Entgegenkommen.

Als "faires, schnelles und wirksames Angebot für die betroffenen Studierenden" hatte Bildungsministerin Anja Karliczek das KfW-Darlehen im Frühjahr 2020 gelobt. Laut Handelsblatt ist es der teuerste Studienkredit überhaupt. Wie viele ihn sich trotzdem aufbürden mussten, verrät die Regierungsantwort auch: Mit 48 560 waren es 20 300 Studierende mehr als im Jahr vor der Pandemie - plus 140 Prozent.

Karliczeks Unterstützungsangebot könne "nur mit dem Sticker Return to sender versehen werden", lästerte der Hochschulexperte der Grünen, Kai Gehring, bereits vor einem Jahr. Jetzt sagt er: "Aufgabe einer Bildungsministerin ist nicht, für die KfW florierende Geschäfte anzubahnen, sondern unverschuldet in Not geratenen Studierenden zu helfen, ohne sie in die Schuldenfalle zu locken." Ähnlich wie Kritiker von der SPD, der FDP, den Linken, dem Studentenwerk oder dem Centrum für Hochschulentwicklung fordert Gehring: "Damit durch Corona nicht reihenweise Bildungswege aus dem Lot geraten, muss das Bafög für den Zeitraum der Pandemie für alle Studierenden in finanzieller Not geöffnet werden."

Doch das Bafög versagt mangels Flexibilität nicht nur in der Krise. Seit vielen Jahren schon sinken die Quoten der Empfänger. Nur noch 18 von 100 Studierenden erhalten Gelder aus diesem ehemals zentralen Instrument der Studienfinanzierung. Mehr als 1,7 Milliarden Euro der zwischen 2017 und 2020 veranschlagten Bafög-Mittel seien nicht abgerufen worden, rechnet Gehring vor. Statt die Gelder an den Finanzminister zurückzuüberweisen, müsse der Bundestag das Bafög schleunigst so modernisieren, dass es den heutigen, vielfältigen Bildungsbiografien gerecht wird, fordert der Grüne.

© SZ vom 26.04.2021
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