Datenschutz und Urheberrechte:Von CC bis CMS

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Jeder kann eine eigene Website erstellen, auch ohne HTML-Kenntnisse. Die Hürden verstecken sich woanders.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Das bayerische Kultusministerium hat mit SZ-Journalisten und der Bundesvereinigung Jugendmedienbildung in einem Online-Manual zusammengefasst, worauf beim Publizieren im Netz zu achten ist.

Von Maximilian Gerl

Wer will, dass Menschen das Lesen einstellen, sollte im ersten Satz den Begriff "Datenschutz" verwenden. Die Beschäftigung mit ihm, Urheberrechten oder Fotolizenzen macht selten Spaß - und ist doch so wichtig für alle, die online journalistisch arbeiten. Und das wollen immer mehr Schülerzeitungen in Bayern, auch bedingt durch Corona-Krise und Distanzhalten. Viele Redaktionen setzen auf eigene Blogs und Websites, manche publizieren sogar nur im Netz. Allerdings bietet dieses neben fast unbegrenzten Möglichkeiten ein paar gefährliche Untiefen - zum Beispiel eben beim Datenschutz. Wie sich solche Strudel am besten umschiffen lassen, hat das bayerische Kultusministerium mit SZ-Journalisten und der Bundesvereinigung Jugendmedienbildung in einem Online-Manual zusammengefasst.

Manche Frage ist dabei nicht so trivial, wie sie auf den ersten Blick scheint. Etwa die, ob eine Schülerzeitung frei im Netz stehen sollte, passwortgeschützt auf einem Webserver oder doch lieber gut versteckt im Intranet. Denn Online-Schülerzeitungen bringen etwas mit, das Vor- wie Nachteil zugleich sein kann: die potenzielle Reichweite. Während gedruckte Hefte selten das Umfeld "ihrer" Schule verlassen, sind Netzinhalte theoretisch für alle Menschen einseh- und teilbar. So gesehen ist die Frage, wie zugänglich der Online-Auftritt einmal sein soll, ein nicht zu unterschätzender Teil des Gesamtkonzepts. Wen wollen wir über welche Kanäle erreichen? Welche Formate schweben uns vor? Und was können wir rechtlich und technisch leisten? Die Antworten darauf müssen auch die Schulleitung überzeugen. Sie trägt nach Telemediengesetz und Rundfunkstaatsvertrag die Verantwortung - und entscheidet deshalb darüber, in welcher Form eine Online-Schülerzeitung überhaupt erscheint.

Schusselei oder Ignoranz bei Urheberrechten kann sehr teuer werden

Nach dem, was man machen will und kann, richtet sich letztlich auch die Struktur der Online-Schülerzeitung. Ein Blog übers Schulleben ist anders aufgebaut als eine News-Seite mit festen Ressorts. Zum Glück bieten viele Content Management Systeme (CMS) vorgefertigte Designs an, mit deren Hilfe man nach und nach zum eigenen Stil finden kann. Ein CMS funktioniert wie ein Baukasten: Man wählt sich über den Browser ein, bastelt Aufbau und Optik zusammen, veröffentlicht neue Unterseiten und Artikel. Bekannte Anbieter sind WordPress, Typo 3, Tumblr und Jimdo. Jeder bietet andere Möglichkeiten, "sodass ihr euch genau überlegen solltet, welchen ihr auswählt", heißt es im Manual. Außerdem empfiehlt sich ein Blick in die Nutzungsbedingungen. Gerade kostenlose Anbieter behalten sich gern weitreichende Nutzungs- und Verbreitungsrechte an publizierten Inhalten vor. Schon deshalb sollte der Datenschutzbeauftragte der Schule einbezogen werden. Wer nicht im Schulintranet publiziert, benötigt außerdem eine eigene Domain. Die gibt es bei manchem CMS zwar gleich mit, allerdings in der Regel mit beschränktem Speicherplatz. Hier könnte es sich also lohnen, ein bisschen Geld auszugeben. Je nach Anbieter ist jährlich mit Kosten im zweistelligen Bereich zu rechnen, los geht es bei etwa 15 Euro.

Auch an anderer Stelle lauern leider Datenschutz-Fallstricke. Wichtig ist zum Beispiel ein Impressum, das auf die Schule verweist - sowie eine Datenschutzerklärung, die über den Umgang mit Cookies und Plug-Ins aufklärt. Auch über den Einsatz von Cookie-Bannern sollte man nachdenken. Als Pop-Ups nerven sie zwar gerne, weil sie beim ersten Besuch einer Seite fragen, welche Daten sie speichern dürfen. Dafür erhöhen sie die Chance, datenschutzrechtlich auf sicherem Terrain unterwegs zu sein. Da normalerweise jede Schulwebsite solche Banner installiert hat, könnte sich womöglich eine Nachfrage bei der Datenschutzbeauftragten oder dem Systemadministratoren lohnen.

Viel Zeit, Arbeit und sogar Geld kann sich sparen, wer von Anfang an die Urheberrechte achtet. Das klingt banal, ist aber bisweilen bei Bildern ein Problem - nicht alle kann man schließlich selber knipsen. Oft helfen in solchen Fällen kostenlose Datenbanken weiter, die Fotos unter Creative Commons-Lizenz führen, kurz CC. Bei diesen Lizenzen gibt es allerdings einige Abstufungen, wie und zu welchem Zweck das Foto genau genutzt werden darf. Und ein Missachten der Angaben in der Bildbeschreibung kann unter Umständen teuer werden. Manche Fotografen und Firmen haben aus dem Verschicken von Abmahnungen ein Geschäftsmodell gemacht.

Zugegeben: Angesichts solcher Hürden kann das Publizieren im Netz womöglich abschreckend wirken. Doch bekanntlich ist aller Anfang schwer - man muss ihn sich nur zutrauen. Vielleicht ist eine Krise wie die jetzige gar kein schlechter Moment dazu.

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