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Lernplattformen:Jetzt mal realistisch

Mebis, Mail und Matheseiten - Wie Schüler trotz Corona lernen

Lernen am Laptop: Sollten Eltern kontrollieren, ob ihre Kinder auch wirklich etwas für die Schule machen?

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Schulen sollten in der Krise mit MS-Teams arbeiten dürfen, weil deutsche Lernplattformen nicht gut genug sind. Ein Ruf aus der Praxis von Lehrer Robert Plötz.

Von Robert Plötz

Viele Lernplattformen quer durch Deutschland waren in der vergangenen Woche heillos überlastet. Ob in Sachsen, Berlin oder im Saarland, der Ärger unter uns Lehrkräften war riesig. Beispiel Bayern: Seit Beginn des Shutdowns am Mittwoch war die Plattform Mebis vormittags kaum nutzbar. Nun sind wir gespannt, ob sie nach Weihnachten flüssig läuft. Doch selbst wenn: Eine Cloud, mit der wir optimal Fernunterricht machen können, haben wir damit noch nicht. Das Gleiche gilt für Plattformen in anderen Bundesländern, sogar das solide nordrhein-westfälische Logineo.

Das Problem: Deutsche Schulplattformen bieten nicht genug Funktionen für die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden. Weder Logineo noch Mebis unterstützen Videokonferenzen. Mebis hat keine echte Handy-App, keinen echten Chat, deshalb tauschen sich Schüler meist über WhatsApp aus. Dahinter steht der Facebook-Konzern. Auch eine moderne Cloud fehlt, weshalb viele Dateien bei Dropbox oder Google-Drive landen. Warum wird so mit Funktionen gegeizt? Ganz einfach: Je weniger die Plattformen können, desto mehr gefallen sie Datenschützern.

Der Datenschutz erschwert so den echten Schutz der Schüler. Mobbing etwa passiert vor allem auf WhatsApp und Instagram. Trotzdem nutzt fast jeder diese Apps, weil er dazugehören will. Und da Schulplattformen oft umständlich und instabil sind, kommunizieren auch viele Lehrkräfte mit Schülern über deren private E-Mail-Adressen. Bei Google-Mail etwa läuft dann alles über US-Server, Inhalte werden zu Werbezwecken ausgewertet.

Auf Dauer dürfen US-Konzerne in unseren Schulen aber nicht dominieren.

Was tun, gerade jetzt, wo eine flüssige digitale Kommunikation unverzichtbar ist? Länder wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen erlauben den Schulen einstweilen, Microsoft Teams zu nutzen. Unsere Erfahrungen mit MS Teams im Fernunterricht sind gut. Videomeetings, digitale Tafelanschriebe, gemeinsames Arbeiten an einem Dokument, das lässt sich alles leicht anwenden. Auch der Teams-Chat ist vorteilhaft, weil er ein sicherer Schul-Chat ist. Unsere Schüler nutzen ihn mit vollem Namen, jeder sieht, wer gerade schreibt, man ist gefühlt "auf dem Schulgelände". Zudem läuft er so flüssig, dass er fleißig benutzt wird. Hätten wir so einen Chat langfristig, könnten wir WhatsApp zurückdrängen.

Teams steht wegen offener Fragen beim Datenschutz in der Kritik. Bei den in Schulen benutzten Versionen fehlen daher einige Funktionen. Damit kann man eine Weile leben. Vor allem aber läuft unser Teams auf deutschen Servern, nach deutschem Recht. Deshalb ermöglicht es in der Realität mehr Sicherheit als Plattformen, die Schüler und Lehrkräfte zum Ausweichen auf unsichere Anbieter verleiten. Und deshalb sollte man Teams - in geeigneten Lizenzversionen und ohne Datenspeicher außerhalb der EU - allen Schulen zumindest anbieten. Für einen besseren, sichereren Digitalunterricht in der Corona-Krise.

Eine Dauerlösung darf die Dominanz eines US-Konzerns in unseren Schulen aber nicht sein. Wir brauchen eine Schulcloud, die sogar besser ist als MS Teams. Das geht nur europaweit. Denn wenn jedes Bundesland seine eigene Cloud bastelt, arbeiten unsere Schüler weiter mit B-Ware.

Robert Plötz, 51, ist Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik in München.

© SZ vom 21.12.2020
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