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Kritik an "Tschüss-Verbot" in Passauer Schule:"Dann muss man 'Servus' auch verbieten"

Ist ein freundliches "Hallo" unhöflicher als ein grummeliges "Grüß Gott"? Nein, meinen Schüler- und Lehrervertreter in Bayern und widersprechen damit einer Passauer Schulleiterin, die die vermeintlich norddeutschen Grußformeln aus ihrer Schule verbannen will.

Verena Wolff

"In Hamburg sagt man Tschü-hüss" schmetterte einst die norddeutsche Volksschauspielerin Heidi Kabel ins Mikrofon - und in Bayern sagt man von jeher zum Abschied "Servus", "Pfiadi" oder "Ade".

Passauer Schule ist ´Hallo- und tschüssfreie Zone"

In Hamburg sagt man "Tschüss", sang einst Heidi Kabel - aber nicht in Passau, wenn es nach dem Willen einer Schuldirektorin geht: Sie hat die in bayerischen Ohren vermeintlich unhöflichen Grußformeln aus ihrer Schule verbannt.

(Foto: dpa)

Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat sich auch das vermeintlich norddeutsche "Tschüss" und zur Begrüßung ein kurzes "Hallo" in den bayerischen Sprachschatz gemischt. Darüber regen sich Brauchtumspfleger und Hüter des Dialekts schon lange auf - aber nicht nur die. Die Schulleiterin einer Passauer Mittelschule empfindet diese Grußformeln als unhöflich und sogar bei der Jobsuche hinderlich. Im Eingang und an den Türen der St.-Nikola-Schule hängen darum Schilder, die die Schüler zur Nutzung der formellen Grußformeln anhalten: "Über ein 'Grüß Gott' und ein freundliches 'Auf Wiedersehen' freuen wir uns jederzeit."

Dieses Gebot gelte nicht erst seit gestern, sagt Martin Zelenka, Sprecher der Landesschülervereinigung, der an der Schule seinen Abschluss gemacht hat. "Früher haben wir darüber gelacht." Aber der Schulleiterin ist es durchaus ernst mit ihrem Anliegen, denn sie findet, die Höflichkeit der Schüler gegenüber dem Lehrpersonal leide unter der Verwendung der unbayerischen Grußformeln - gab sie in verschiedenen Medien zu Protokoll. Gegenüber Süddeutsche.de wollte sie sich zu ihrem durchaus umstrittenen und inzwischen bundesweit bekannten Projekt nicht mehr äußern.

"Hallo" oder "Tschüss" sind kein Verrat am Freistaat Bayern

Schülersprecher Zelenka meint, dass durch die Gewichtung der formellen Grußformeln die Entfremdung zwischen Schülern und Lehrpersonal vergrößert werde. "Damit wird die Autorität des Lehrers stark betont", sagt der 17-Jährige, der noch in Passau zur Schule geht. Gegen "Guten Tag" oder auch "Grüß Gott" sei nichts einzuwenden - aber ein "Hallo" an sich sei auch nicht grundsätzlich unhöflich. "Dann müsste man auch ein 'Servus' verbieten, denn das ist sehr kumpelhaft."

Der Präsident des Bayerischen Lehrerverbandes findet die Diskussion schlicht überflüssig. "Es scheint, als hätten wir keine anderen Probleme", sagt Klaus Wenzel. Die Schule als Bildungseinrichtung müsse mit den Entwicklungen in der Sprache mithalten - und sie nicht auszubremsen versuchen. "Dieses Vorgehen scheint mir doch etwas sehr kleinkariert - ein 'Hallo' oder 'Tschüss' sind weder schlimm noch ein Verrat am Freistaat Bayern oder dem Dialekt." Zudem lerne kein Schüler durch Verbote - "da macht es deutlich mehr Sinn, die Grußformeln in ein paar Schulstunden zu behandeln und den Schülern die Geschichte verständlich zu machen".

Die allermeisten Schüler verstehen nach den Worten Wenzels sehr schnell, dass ein flapsiges "Hallo" etwa in einem Vorstellungsgespräch "nicht gut kommt". Viele Kinder und Jugendliche wüssten zudem durchaus zu differenzieren, wie sie sich in verschiedenen Gruppen höflich verhalten. "Sie bekommen das von zu Hause mit oder machen es intuitiv richtig." Und überhaupt: "Mir ist ein freundliches 'Hallo' allemal lieber als ein hingegrummeltes 'Grüß Gott'."

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© Süeddeutsche.de/wolf/bica/olkl/holz
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