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Fragebogen"Alte Schule":Sasha Waltz

Choreographin, Tänzerin und Regisseurin Sasha Waltz.

Sasha Waltz, 1963 in Karlsruhe geboren, studierte modernen Tanz in Amsterdam und New York. Sie tanzte in internationalen Compagnien, hat als Choreografin mit namhaften Ensembles und Komponisten gearbeitet. 1993 gründete sie in Berlin die Compagnie Sasha Waltz & Guests, mit der sie an die Schaubühne gerufen wurde und unter anderem an der Berliner Staatsoper wirkt. Am 22. April zeigt sie online das Finale eines Projekts mit belarussischen Musikern, www.sashawaltz.de.

(Foto: César Martins)

Mit 15 wollte die Choreografin, Tänzerin und Opernregisseurin der Schule entfliehen und in Spanien Orangen ernten. Sie ist dann doch bis zum Abitur geblieben.

Erste Reihe oder letzte Bank?

Ab Klasse 10 gern dritte Reihe außen links.

Influencer oder Follower?

Ich bin schon in der Schule keinen Trends hinterhergelaufen.

Mein Hobby in der Pause?

In der Grundschule Pausenbrote aus wiederverwerteten Papiertüten essen. Ich war immer neidisch auf die Butterbrote der anderen, schick eingepackt in Tupperware. Meine größte Stunde?

Meine letzte Schulstunde bevor ich endlich Tanz studieren konnte.

Das würde ich gern vergessen:

Als ich mit 15 die Schule schmeißen wollte, um in Spanien Orangen zu ernten. Ich war damals sehr unglücklich in der Schule.

Ein Denkmal gebührt ...

... "Fräulein" Bente. Sie war in der Grundschule meine Klassenlehrerin in der Orffschen Experimentalklasse. Ich habe sie geliebt, sie hat mir später sehr gefehlt. Wären wir - wie später meine Kinder - sieben Jahre im Klassenverband geblieben, hätten wir so lange bei ihr gelernt. Wäre mein Leben dann anders verlaufen? Vielleicht hätte ich Musik oder Physik studiert.

Lernen ist ...

... ein Lebenszustand. Jeden Tag versuche ich zu lernen. Die Schule gibt dafür die Basis, dort sollten Kinder lernen, wie man lernt - selbständig und mit anderen.

Noten sind ...

... Relikte veralteter Pädagogik. Ich bevorzuge Noten in der Musik: Jedes Kind sollte in der Schule Noten kennenlernen, tanzen und ein Instrument spielen können.

Schule müsste ...

... einen offenen, kritischen Geist entfalten helfen, der flexibel genug ist, um mit den komplexen Anforderungen unserer ungerechten Gesellschaft zurechtzukommen. Sie müsste also Umwelt- und Körperbewusstsein lehren und ein Bewusstsein schaffen für die Mechanismen von Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Gewalt und Ausgrenzung. Dafür muss sie ein Ort sein, an dem man sich gern aufhält.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... allen, die ich gern oft abgelenkt habe.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... keiner, von dem ich noch wüsste. Ich habe ein schlechtes Gedächtnis für schmerzhafte Erfahrungen.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es einmal die Woche "Alte Schule.

© SZ vom 19.04.2021 / sz
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