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Fragebogen "Alte Schule":Nino Haratischwili

Nino Haratischwili

Nino Haratischwili wurde 1983 in Georgien geboren, das bis 1991 zur Sowjetunion gehörte. Sie machte Abitur und studierte Filmregie in Tiflis, danach Theaterregie in Hamburg, wo sie bis heute lebt. Seitdem schreibt und inszeniert sie Stücke. Prominent wurde sie aber vor allem durch ihre mehrfach ausgezeichneten Romane, die sie auf Deutsch schreibt - zum Beispiel die georgische Familiengeschichte "Das achte Leben".

(Foto: G2 Baraniak)

Schon am Gymnasium in Tiflis glänzte die Wahlhamburgerin: als Stückelieferantin fürs Aulatheater und Mathelehrerkarikaturistin.

Erste Reihe oder letzte Bank?

Irgendwo dazwischen.

Influencer oder Follower?

Weder noch. Träumerin.

Mein Hobby in der Pause?

Mit meinen Freundinnen sinnlos über jeden Quatsch lachen.

Meine größte Stunde?

Alle Premieren meiner Stücke, die unsere AG "Das Fliedertheater" aufgeführt hat. Die Proben fanden wegen der Stromausfälle bei Kerzenschein in der kalten Aula statt, dennoch herrschten bei uns hohe Motivation und großer Enthusiasmus. Die Zeit war für mich unglaublich wichtig und prägend.

Das würde ich gern vergessen:

Mitschüler, die sich nur dann wichtig fühlen können, wenn sie andere demütigen und erniedrigen. Meist werden sie später vom Leben selbst in die Schranken gewiesen. Aber das weiß man ja in dem Moment nicht.

Ein Denkmal gebührt ...

... allen Lehrern und Lehrerinnen, die in meiner Jugend unter den menschenwidrigsten Umständen - Stromausfälle, keine Heizung, keine Verkehrsmittel - ihr Bestes gaben, um jeden Tag in die Schule zu kommen und Kinder davon zu überzeugen, dass Lernen unter allen Umständen Sinn macht.

Lernen ist ...

... das Aufregendste, wenn man das lernt, wofür man brennt und was einen interessiert. Und eine Qual, wenn es nur aufgrund von Noten und Druck geschieht.

Noten sind ...

... eine schwierige Sache, weil sie das Wissen bewerten, das angeblich für die Zukunft entscheidend ist. Aber vieles, was man in der Schule leider nicht lernt, kann genauso überlebenswichtig sein. Fantasie und Empathie zum Beispiel.

Schule müsste ...

... freier und kreativer sein und individuellere Fördermöglichkeiten bieten.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... meinen Mathelehrern, denen ich nie zugehört und die ich im Unterricht als Karikaturen gezeichnet habe.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... ein bestimmter Lehrer, bei dem ich der Meinung bin, dass er den Beruf verfehlt hat.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es einmal die Woche "Alte Schule".

© SZ vom 27.01.2020
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