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Fragebogen "Alte Schule":Lisa Eckhart

Pressebilder: Lisa Eckhart, Comedian.

Zweck: Fragebogen "Alte Schule"
Foto: 
Honorar: nein
Online: frei

Lisa Eckhart heißt eigentlich Lisa Lasselsberger und wuchs in den 90er-Jahren in der Steiermark auf. Sie studierte Germanistik und Slawistik in Paris, machte ihren Master in Berlin und trat bei Poetry-Slams auf. Die österreichische Kabarettistin ist Stammgast bei "Nuhr im Ersten" und wegen ihres grenzverletzenden Humors umstritten. Kürzlich ist bei Zsolnay ihr Debütroman "Omama" erschienen.

(Foto: PAULA WINKLER)

Konjugieren beim Marschieren und Tränen für Marquis de Sade: Die österreichische Kabarettistin hatte schon als Schülerin ihre ureigenen Prinzipien.

Erste Reihe oder letzte Bank?

In der Mitte. Sowohl in der ersten Reihe als auch in der letzten Bank saßen die, welche nicht gesehen werden wollten. Dieser Wunsch war mir stets fremd.

Influencer oder Follower?

Ich beantworte grundsätzlich keine Fragen, in denen die englischen Wörter die deutschen überwiegen.

Mein Hobby in der Pause?

Das lässt sich nur mit einem Namen beschreiben: Cecilia.

Meine größte Stunde?

Meine Buchvorstellung des Romans "Justine" von Marquis de Sade, die mein Deutschprofessor mit der strengen Bitte abbrach, mit meinen sexuellen Perversionen zu Hause zu bleiben. Erst weinte ich, dann war ich stolz.

Das würde ich gern vergessen:

Ich bin eine Meisterin der Verdrängung. Was ich vergessen möchte, vergesse ich auch zuverlässig.

Ein Denkmal gebührt ...

... meiner Lateinprofessorin Eva-Maria Fladerer, die mich sowohl das freie Denken als auch die Ordnung lieben lehrte. Ich genoss bei ihr sowohl, dass sie die gesamte Klasse beim lauten Konjugieren von Verben auf dem Platz marschieren ließ, als auch die künstlerische Freiheit, dass wir die Interpretation von Mythen nicht nur als ellenlangen Text, sondern als Zeichnung einreichen durften - so sie denn gelungen war. Dilettantismus wurde von ihr nicht gerügt, aber ebenso wenig gerühmt. Solche Lehrer wie sie sind höchst selten. Doch im Leben eines Schülers reicht oft schon ein Lehrer aus, welcher ihm nicht nur ein Fach, sondern eine Welt eröffnet.

Lernen ist ...

... Selbstzweck. Man lerne für die Schule ebenso wenig wie für das Leben. Man lerne, um zu lernen. Reines Denken ohne jeden Hintergedanken.

Noten sind ...

... nur ein Symptom unserer Numerokratie. Was nützt es, die Schüler verbal zu beurteilen, um sie in eine Welt zu entlassen, wo Zahlen und Nummern herrschen? Die Social Credit Points in China, die Inzidenzzahlen zu Corona, BMI, IQ, ECTS, BIP ... Alles ist zählbar, nichts wird erzählt.

Schule müsste ...

... frei von jeglichen Bildschirmen sein.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... Frau Professor Fladerer, weil ich mich viel zu selten melde.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... jeder Professor, der nicht auf meine Avancen einging.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es einmal die Woche "Alte Schule.

© SZ vom 09.11.2020
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