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Fragebogen "Alte Schule":Franzobel

Franzobel

Franzobel, 1967 als Franz Stefan Griebl in Oberösterreich geboren, schloss die Höhere Technische Lehranstalt für Maschinenbau ab, bevor er Germanistik und Geschichte studierte. Er schreibt Theaterstücke, Kinderbücher, Lyrik und österreichkritische Krimisatiren. Sein historischer Roman "Das Floß der Medusa" erhielt 2017 den Bayerischen Buchpreis, soeben ist sein Neuling "Die Eroberung Amerikas" erschienen.

(Foto: Zsolnay Verlag)

Absentismus, Micky Maus und Burschen­machenschaften: Der österreichische Schriftsteller war dem Unterricht meist herzlich abgeneigt. Urteil des Mathe­matik­lehrers: "Ich sei so faul, dass auf meinem Sessel Moos wachse."

Erste Reihe oder letzte Bank?

Da ich meist durch Abwesenheit geglänzt habe, am liebsten dort, wo mein Fehlen nicht gleich aufgefallen ist.

Influencer oder Follower?

Ich war schon in der Schule ein Einzelgänger mit sehr eigenen Ansichten, der immer ein bisschen abseits gestanden ist, wenn er denn da war.

Mein Hobby in der Pause?

In der Volksschule haben wir Burschen in der Mittagspause immer Mädchen, die hübschen, gefangen, gefesselt und in das nächste Wäldchen verschleppt. Die Mädchen haben uns nie verpfiffen. Warum wir das gemacht haben, weiß ich bis heute nicht. Später essen und rauchen. Ich musste mir wohl einen Panzer anfressen beziehungsweise den Raum um mich ausräuchern.

Meine größte Stunde?

Die allerletzte, weil die Sache damit erledigt war.

Das würde ich gern vergessen:

Habe ich vergessen. Aber noch Jahre nach meinem Abschluss plagten mich Albträume, in denen mir die Matura aberkannt wurde, ich nochmals zur Prüfung antreten musste.

Ein Denkmal gebührt ...

... dem Fernsehen und der Micky Maus, denen ich den Großteil meiner Bildung verdanke. Nun lebe ich ohne Fernseher, aber in den Siebzigern und Achtzigern haben die Rundfunkanstalten den Bildungsauftrag noch ernst genommen, und ich habe alles aufgesaugt.

Lernen ist ...

... in der Schule ein sinnloses Vollstopfen mit Lernstoff gewesen, bloß, um Prüfungen zu bestehen. Im Leben ist es eine wunderbare Bereicherung der Erfahrungswelt, ein wichtiger Bestandteil meines Alltags.

Noten sind ...

... Mittel zur Disziplinierung. Sie sind Orden und Folterwerkzeug der künftigen Systemerhalter.

Schule müsste ...

... ohne Klassenzimmer, Noten und Schulfächer auskommen und von allen Kindern geliebt werden. Sie müsste die Großartigkeit der Schöpfung und aller Wissensgebiete vermitteln.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... meinen Söhnen, die ich aus Mangel an Alternativen auch dem Schulsystem anvertraut habe.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... mein Mathematiklehrer, der immer gesagt hat, ich sei so faul, dass auf meinem Sessel Moos wachse.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es einmal die Woche "Alte Schule.

© SZ vom 08.02.2021
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