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Fragebogen "Alte Schule":Denis Scheck

Denis Scheck

Denis Scheck, geboren 1964 in Stuttgart, wuchs in einem Dorf auf, wo er aus Langeweile zum Lesen kam. Mit 13 Jahren gründete er eine literarische Agentur, die sich auf Science-Fiction spezialisierte und Lizenzen verkaufte, sogar in die DDR. 1979 war er als Austauschschüler in den USA. Er studierte Germanistik, Politikwissenschaften und Geschichte in Tübingen, Düsseldorf und Dallas. Seit 1996 ist er Literaturredakteur beim Deutschlandfunk, seine Sendung "Druckfrisch" (seit 2003) machte ihn zum derzeit wichtigsten Literaturkritiker im deutschen Fernsehen.

(Foto: Andreas Hornoff)

Der Literaturkritiker ist als Klassenclown ernst zu nehmen, als Leser missverstanden. Und trotz erhöhtem Bildungsrisiko bereit, den Preis der Freiheit zu zahlen.

Erste Reihe oder letzte Bank?

Definitiv letzte Bank: Ich lese gern!

Influencer oder Follower?

Klassenclown.

Mein Hobby in der Pause?

Für mich war eher die Schule die Pause. Ich hatte mit 13 eine literarische Agentur gegründet und las in der großen Pause gern das damals noch zweimal die Woche erscheinende "Börsenblatt des deutschen Buchhandels", was meine Klassenkameraden absurderweise auf die Idee brachte, ich hätte irgendwas mit Aktien am Hut.

Meine größte Stunde?

Lateinklassen unterschritten Anfang der 80er öfter die Mindestzahl der Schüler und waren daher von Auflösung und Verteilung auf die anderen Klassen bedroht. Ich war damals Klassensprecher, und der Klassenlehrer hatte mir versprochen, mich anzurufen, falls es in den Sommerferien dazu kommen sollte. Als ich am ersten Schultag dennoch erfuhr, dass meine Klasse aufgelöst wurde, war ich so sauer, dass ich schnurstracks ins Direktorat ging und mich abmeldete. Eine neue Schule zu finden dauerte dann allerdings drei Tage - 1964 ist der geburtenstärkste deutsche Jahrgang. Mir ging ganz schön die Düse: der Preis der Freiheit.

Das würde ich gern vergessen:

Danke, aber ich lebe von der Bewirtschaftung meiner Erinnerung ganz auskömmlich.

Ein Denkmal gebührt ... ?

Den Verantwortlichen, die am Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Bad Cannstatt eine Kooperation mit Daimler Chrysler eingegangen sind. Das ist in etwa so, als würde man gegen Provision Crackdealer auf den Schulhof lassen.

Lernen ist ... ?

... eine unterschätzte Freude; leider wird sie einem meist verleidet.

Noten sind ... ?

... egal.

Schule müsste ... ?

... sinnlicher sein.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... dem lieben Gott.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... niemand: alles verziehen!

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es jede Woche "Alte Schule".

© SZ vom 25.05.2020

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