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Fragebogen "Alte Schule":Anne Trabant- Haarbach

Anne Trabant-Haarbach, Jahrgang 1949, stürmte schon über den Bolzplatz, als der DFB den Frauenfußball noch per Verbot unterdrückte. Später wurde die herausragende Technikerin und diplomierte Sportlehrerin mehrfach Deutscher Meister und Spielertrainerin beim SSG 09 Bergisch Gladbach, der jahrelang den deutschen Frauenfußball dominierte. Der Dokumentarfilm „Das Wunder von Taipeh“ erzählt, wie der Verein unter ihrer Führung 1981 die erste Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Taiwan gewann – weil es eine weibliche deutsche Nationalmannschaft noch nicht gab. Ab 19. Juni als DVD und Video on Demand.

(Foto: mindjazz pictures)

Die Wegbereiterin des deutschen Frauenfußballs verrät, was die Stones, ein kühner Handstand und eine Schlüssellochszene für ihre Schullaufbahn bedeutet haben.

Erste Reihe oder letzte Bank?

Grundschule zweite Bank, später letzte Bank. Ich hatte alles im Blick.

Influencer oder Follower?

Ich war als Klassensprecherin aktiv.

Mein Hobby in der Pause?

Mitschülerinnen und Mitschüler beobachten und ihnen Charaktere zuordnen: Klassenclown, Schleimer, Streber usw. So habe ich mir die ausgesucht, mit denen ich befreundet sein wollte.

Meine größte Stunde?

Als ich die Sportlehrerin damit geschockt habe, statt einer Grätsche über den Bock einen Handstandüberschlag auszuführen.

Das würde ich gern vergessen:

Dass ich in einem Deutschaufsatz unbedingt "I can't Get No Satisfaction" unterbringen musste. Der Deutschlehrer mochte keine 60er-Jahre-Musik, auch nicht die der Rolling Stones. Entsprechend mies fiel die Note aus.

Ein Denkmal gebührt ...

... Frau Reil, meiner Lehrerin in der ersten Grundschulklasse. Sie hat mich in dieser wichtigen Entwicklungsphase angenommen und gelobt. Das gab mir Mut und Selbstvertrauen.

Lernen ist ...

... zeitintensiv und frustrierend, wenn man stundenlang pauken muss und der Kopf trotzdem leer ist.

Noten sind ...

... nie gerecht oder objektiv.

Schule müsste ...

... tägliche Sporteinheiten bieten. Zweimal die Woche Laufen, Springen, Werfen reicht heute nicht mehr, dafür sitzen die Schüler zu viel vor dem Laptop oder der Playstation. Außerdem ist viel Sport in der Schule gut für Kreativität und Fairplay. Gut, dass es heute für talentierte Jungsportler spezielle Schulen gibt. Ich hätte früher nur zu gern ein Fußballinternat besucht.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... einem Lehrer, dem ich nachspioniert habe. Er verschwand öfter mit Referendarinnen im Abstellraum für Unterrichtsmaterialien. Eine Freundin und ich haben aus Neugier durchs Schlüsselloch geguckt und gesehen, wie sie sich küssten.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... niemand.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es einmal die Woche "Alte Schule.

© SZ vom 15.06.2020

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