Forschung und Karriere Werben für die Heimat

Deutsche Uni-Rektoren wollen hiesige Forscher, die im Ausland tätig sind, zurückholen. Auch die Politik hilft dabei, Talente im Land zu halten. Ob das aufgeht?

Von Jeanne Rubner

Should I stay or should I go, soll ich bleiben oder gehen? Den Song von The Clash dürften wohl etliche junge deutsche Wissenschaftsmigranten im Kopf haben, wenn sie an ihre Zukunft denken. Sollen sie also in den USA bleiben, dem gelobten Land der Forschung, wenn ein Angebot von Harvard oder Stanford lockt? Oder doch lieber in die Bundesrepublik zurückkehren?

Die Heimat jedenfalls wirbt gerade heftig. Die Exzellenzinitiative geht in die dritte Runde, das neue Wissenschaftszeitvertragsgesetz soll Schluss machen mit den befristeten Kettenverträgen und vor allem will die Politik mit einem 1000-Stellen-Programm den wissenschaftlichen Nachwuchs ködern. Wie der die deutsche Charme-Offensive bewertet, ließ sich unlängst bei der Jahrestagung des "German Academic International Network", kurz Gain, in Washington beobachten. Dort machten Wissenschaftsmanager und ein paar Dutzend Uni-Rektoren gute Stimmung - und die Atmosphäre war denn auch entspannter als noch vor zehn Jahren. Damals galt der Forschungsstandort Deutschland als gefährdet, wegen des "Braindrain", der Abwanderung der besten Gehirne in die Vereinigten Staaten.

Eine "halbwegs sichere Stelle" wünschen sich die Rückkehrer

Seitdem hat die Exzellenzinitiative der Wissenschaft einen Schub verliehen. Graduiertenschulen bieten eine gute Ausbildung während der Doktorarbeit, und danach können Absolventen sich um zahlreiche Stipendien und Förderprogramme bewerben. Doch paradoxerweise haben die gut gemeinten Programme die Jobaussichten des Nachwuchses kaum verbessert. Denn der will irgendwann auch Sicherheit: "Man möchte nicht immer Nachwuchs bleiben und gefördert werden", sagt der Berliner Jurist Florian Meinel, Sprecher der Jungen Akademie, eines Forschungsverbunds für junge Wissenschaftler. Nach wie vor sei es in Deutschland schwierig, sich zu etablieren. Wer am Ende eine Professur bekommt, hänge stärker von unvorhersehbaren Entscheidungen ab. Für viele junge Forscher ist das System der Berufungen nach wie vor intransparent. Auch Umfragen zeigen, dass der Nachwuchs hierzulande unzufrieden ist: Viele Stellen sind befristet, große Lehrstühle und starre Hierarchien begrenzen Freiheit und Unabhängigkeit.

Da soll das 1000-Stellen Programm von Bund und Ländern helfen. Von 2017 an werden sogenannte "Tenure"-Posten nach amerikanischem Vorbild ausgeschrieben: Sie sind zunächst befristet, und wer sich bewährt, bekommt eine Professur. Doch das Programm, über das Bund und Länder gerade verhandeln, könnte sich als Sackgasse erweisen. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, warnt, der Nachwuchs könne dadurch noch länger Nachwuchs bleiben. "Die Förderphase darf nicht künstlich verlängert werden", sagt Strohschneider. Jurist Meinel fürchtet ein Nullsummenspiel. Denn die Länder müssen dafür sorgen, dass die zunächst befristeten, vom Bund bezahlten Stellen auch tatsächlich in eine dauerhafte Professur münden. "Ein typisches Muster föderaler Finanzierung", kritisiert Jurist Meinel. Aus der bisherigen Erfahrung mit dem Föderalismus müsse man befürchten, dass die Länder die Unis erpressen, damit diese die vorgesehenen Stellen woanders einsparen. "Per se sind diese Stellen nicht vorhanden", gibt Joachim Hornegger, Präsident der Universität Erlangen, zu.

Nicht überraschend, dass viele Betroffene ernsthaft überlegen, ob sie dem deutschen Lockruf folgen sollen. Etliche junge Forscher würden wohl gerne aus den USA zurückkommen, vor allem aus privaten Gründen. Aber eine "halbwegs sichere Stelle" sollte es schon sein, sagt einer, eine "anständige Stelle" fordert eine andere.