"Blattmacher"-Wettbewerb 2019/20:Seuchenjahr

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"Blattmacher"-Wettbewerb 2019/20: Illustration: Alper Özer

Illustration: Alper Özer

Am allseits präsenten C-Wort haben sich die Redaktionen der Schülerzeitungen nicht abschrecken lassen - im Gegenteil.

Von Anna Günther

Corona, Corona, Corona - das Virus bestimmte 2020 die Nachrichten. Die Zeitungen waren voll davon und sind es noch, Talkshows im Fernsehen wie im Radio behandeln kaum etwas anderes. Ein Ende ist nicht in Sicht. Auch wenn mancher des C-Worts so überdrüssig ist wie der Einschränkungen im Alltag, so lechzen doch zugleich viele Menschen nach Nachrichten, Analysen und Berichten zu Sars-CoV-2. Dieses Jahr zeigte also auch klar, warum Journalismus wichtig ist. Als Korrektiv, das Entscheidungen der Politiker hinterfragt und einordnet, als Fakten-Lieferant, der Klarheit bringt im Dschungel der Verschwörungstheorien, als Medium, das Lesern, Zuhörern und Zuschauern Einblicke bietet, die sie allein nie bekämen. Und als Plattform für Virologen, die aus ihren Laboren auf die Bühnen treten und auf allen Kanälen versuchen, die Pandemie zu erklären. So mancher Journalist ist für Großlagen wie diese Reporter geworden - idealerweise stets mit dem Leser im Hinterkopf. Was interessiert die Leute? Was ist besonders wichtig?

Das alles gilt für die großen Medien, aber auch viele Schülerzeitungsredaktionen griffen im Blattmacher-Jahr 2019/2020 das Virus und seine Folgen für die Schulen und den Alltag der Schüler auf. Das freute die Blattmacher-Koordinatoren von Süddeutscher Zeitung und bayerischem Kultusministerium besonders, denn kurz hatten sie Zweifel beschlichen, ob Corona, Lockdown und geschlossene Schulen die Redaktionen im 15. Wettbewerbsjahr ausbremsen könnten. Das Gegenteil war der Fall: Fast kein Heft kam ohne Corona aus, einige Teams wuchsen über sich hinaus und beeindruckten die Juroren mit besonders kreativen Ideen.

Online-Konferenzen und Podcast-Produktion

Die Redaktion des Sidekicks bietet in der Online-Schülerzeitung etwa einen sehr aktuellen Nachrichtenticker zu Corona und - Stichwort Einblick - ein Stück, in dem italienische Schüler erzählen, wie sie den Lockdown im Frühjahr 2020 erlebt haben. Der Blog im Blauen Land publizierte sehr aktuell und völlig unbeeindruckt von Lockdown, Schulschließungen und dem Wechsel aus Schul- und digitalem Distanzunterricht. Die Redaktionssitzungen liefen online ab, einige Nachwuchsredakteure lernten sogar, selbst ihre Podcasts zu produzieren - und der Digitalbetrieb funktionierte tadellos. Das konnte sich auch in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung vor Corona niemand vorstellen. Eine Zeitung entsteht auch ohne die täglichen Konferenzen im SZ-Turm? Ohne das Ideen-Pingpong auf dem Flur? Ja, es geht. Die Digitalisierung macht es möglich. Auch die erwachsenen Journalisten wuchsen über sich hinaus - selbst die Technik-Skeptiker sind nun Videokonferenz-Profis.

Online-Schülerzeitungen waren in Sachen Aktualität und unmittelbarer Leserinformation natürlich im Vorteil, aber auch die gedruckten Magazine beeindruckten die Jury mit ihren Ideen: Die Schneckenpost zeigt etwa ein selbstgebasteltes Coronavirus auf dem Titel, das die Schüler weggezaubert hat. Die Heininger Welle schafft die Balance zwischen buntem Schulleben und lässt Sars-CoV-2 dennoch Raum, in dem Schüler ihre Lockdown-Erfahrungen schildern und die wichtigsten Fragen erklärt werden. Besonders originell ist die Homeschool-Student-Typologie des Echos, vom "Megafleißigen" über den Corona-Hypochonder bis zum "Corona-Consumierer", der zwar das gleichnamige Bier haben will, aber als Schüler Wasser trinken muss.

Mit Blick auf Mutanten, Impfchaos und ungewisse Monate hilft nur, nicht zu verzagen und die Chancen dieser Krise zu sehen: Wer hätte vor einem Jahr schon gedacht, dass im Februar 2021 viele Schüler und Lehrer den Digitalunterricht souverän meistern - und sogar Gefallen daran finden. Auch im Blattmacher-Organisationsteam wurde einiges umgeschmissen, neu geplant und Corona-bedingt wieder verworfen. Das war anstrengend, hält aber frisch. Und am Ende zählt nur das Ergebnis: eine erfolgreiche Wettbewerbsrunde 2019/2020 mit einem Preisverleihungsfilm statt der beliebten Siegerehrung in München. Anders kann auch gut sein.

Corona und die Folgen wird die erwachsenen Journalisten und den Nachwuchs in den Schülerredaktionen wohl noch eine Weile beschäftigen. Grund genug, die weißen Blätter zu Beginn jeder Produktion als Spielwiese zu sehen. Mögen auch im Blattmacher-Jahr 2020/2021 die kreativsten Ideen Raum bekommen. Und gewinnen.

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