"Blattmacher" 2019/20:Journalismus zum Anhören

Lesezeit: 3 min

Realschule Murnau

Die Redaktion des "Blogs im Blauen Land" freut sich beim Schauen des Preisverleihungsfilms über den Sieg in der Kategorie Online-Schülerzeitung.

(Foto: Bräu)

Podcasts boomen - doch wie schafft man es, sie so aufzunehmen und zu schneiden, dass die Leute sie auch anhören? Gute Frage. Die Redaktion des "Blogs im Blauen Land" kennt die Antwort.

Von Hannes Bräu

Die Redaktion des Blogs im Blauen Land publiziert ausschließlich und viel im Netz: Mehrere Artikel gehen jede Woche online. Parallel dazu haben die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Podcast-Serie aufgesetzt, die sie regelmäßig mit neuen Folgen füllen.

Wie so ein Podcast gelingt? Zunächst mal mit Planung - Planung ist alles! Denn schon hinter dem Begriff Podcast kann sich vieles verbergen. Podcasts gibt es eigentlich bereits seit einer Ewigkeit. Sehr lange sind sie aber belächelt worden, in Nischen verschwunden. Vor allem die Corona-Pandemie hat das grundlegend geändert. Mittlerweile ist die Fülle an Formaten und Kategorien fast schon unübersichtlich geworden.

Am Anfang jeder Podcastproduktion steht immer eine grundlegende Entscheidung: Information oder Unterhaltung? Nur wenn man weiß, in welche von beiden Richtungen es gehen soll, kann man inhaltliche Schwerpunkte setzen und den Podcasttyp wählen. Dabei gibt es vom Solopodcast über den Interview-Podcast bis hin zum Team- und Showpodcast mit Gästen ganz viele Möglichkeiten, die Sendung zu bestreiten und zu strukturieren. Egal, für welchen Typus man sich entscheidet: Ein Podcast, der junge Hörer ansprechen will, hat nicht mehr als 20 Minuten Länge - eher weniger.

Ohne Recherche, ohne journalistisches Handwerk geht es natürlich auch beim Podcast nicht. Obwohl dieser sich von anderen Medienformaten wie der gedruckten Zeitung oder dem Fernsehen grundlegend unterscheidet - die Recherchearbeit im Vorfeld ist und bleibt die gleiche. Steht die thematische Richtung fest, geht es darum, mittels verschiedener Quellen einen Einblick zu bekommen. Auch Experten können vorab befragt werden, ohne sie gleich in den Podcast einzubauen. Erst nach der Recherche lohnt es sich, inhaltliche Schwerpunkte zu formulieren.

Recherche, Technik, Schnitt

Von besonderer Bedeutung ist die Technik, sie muss funktionieren. Früher stellte sie die größte Hürde bei der Aufnahme eines Podcasts dar, aber diese Zeiten sind vorbei. Qualität kostet allerdings. Viele Smartphones besitzen heutzutage ausreichende Soundqualität. Für wenige Euro gibt es im Handel bereits sehr gute Mikrofone für die verschiedensten Einsatzbereiche. Der Umgang damit sei aber gelernt: Für den optimalen Ton gibt es recht viel zu beachten, auch wenn man manches im Nachhinein noch bearbeiten kann. Wichtige Faktoren sind zum Beispiel die richtige Distanz zum Interviewpartner, die Raumakustik - eine Aufnahme in einer Turnhalle mit hohen Decken klingt anders als im Klassenzimmer - oder die Lautstärke von Umgebungsgeräuschen. Auch wichtig: immer stereo aufnehmen.

In einer Folge ist uns genau dieser Fehler unterlaufen. Ein Schüler hatte die Moderation zu Hause nur mono aufgenommen, das heißt, man hört seine Moderation nur durch einen Audioausgang statt durch zwei. Wir haben das trotzdem einfach mal so in den Podcast eingebaut. Übung macht auch hier den Meister. Die ersten Folgen habe ich allein zusammengeschnitten. Heute helfe ich noch bei der Bearbeitung des Rohmaterials. Und wir machen gemeinsam den "Schnittplan", was wo eingebaut werden soll. Die letzten Folgen haben die Schülerinnen und Schüler selbständig moderiert und final geschnitten. Schade, dass viele, sobald sie das können, fast schon wieder unsere Schule verlassen - das geht an einer Realschule so schnell.

Die Produktion eines klassischen Infopodcasts, der nicht ausschließlich als Solopodcast geplant ist, gliedert sich in zwei Teilbereiche: Außenreporter fangen Stimmen zum Thema ein. Das Rohmaterial wird gesichtet und geschnitten, der Podcast eventuell nochmals inhaltlich neu gegliedert. Erst dann folgt die Moderation. Gerade diese Texte verlangen Fehlerfreiheit, wenn sie eingesprochen werden. Deshalb: öfters probieren und üben. Auch die Auswahl geeigneter und kostenloser Jingles und Musikstücke gehört zur Produktion. Ein guter Podcast hat zudem ein kurzes Intro mit Wiedererkennungswert, das vor jeder Folge abgespielt wird. All diese Dinge können mit einer nützlichen und kostenfreien Audiobearbeitungssoftware wie zum Beispiel Audacity zusammengeschnitten werden. Vor der Publikation des Podcasts lohnt es sich meist, ihn sich kritisch anzuhören - und notfalls Details zu überarbeiten. Passen alle Übergänge? Haben alle Teilbereiche denselben Audiolevel?

Ob der Podcast dann auch wirklich von den Menschen angehört wird, darüber entscheidet auch die Publikationsplattform. Ein eigener Webserver oder gar die eigene Blogseite ermöglichen meistens datenschutzkonformes Hosting. Links in sozialen Netzwerken, Foren oder Chats erweitern die Fanbasis. Nur was angehört wird, hat schließlich auch Relevanz - und motiviert, die nächste Folge noch besser zu machen.

Hannes Bräu ist Lehrer an der Realschule Murnau und betreut dort den Blog im Blauen Land.

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