Zum Weltfrauentag: Bayerische Pionierinnen – Therese von Bayern

Therese von Bayern (1850-1925) war die Tochter des nach dem Tod Ludwigs II. in Bayern regierenden Prinzregenten Luitpold. Damit war ihr Lebensweg im Grunde genommen vorgezeichnet. Und doch kam alles anders: Statt der Etikette zu genügen, statt eine standesgemäße Ehe einzugehen und weibliche Tugenden zu pflegen, ohne Aussicht auf eine ihrer Intelligenz entsprechende akademische Bildung, ging Therese dennoch ihre eigenen Wege und wurde, wie ihre Biographin Hadumod Bußmann sagt, "eine der bemerkenswertesten Frauen der Moderne." Therese lernte elf Sprachen, wurde zu einer leidenschaftlichen Naturforscherin, zu einer unerschrockenen Weltreisenden und zu einer wissenschaftlichen Autorin von Rang. Ihre Forschungsreisen nach Nordafrika, Russland sowie nach Nord- und Südamerika waren wagemutige Expeditionen mit all den Widerständen und Bedrohungen, denen sich reisende Frauen im 19. Jahrhundert ausgesetzt sahen. Noch auf ihrem Totenbett bekundete sie: "Ich habe mich vor nichts im Leben gefürchtet." Münchner Museen profitieren noch heute von ihrer Sammelleidenschaft. Als erster Frau überhaupt wurde Therese die Ehre zuteil, an der Münchner Universität einen Ehrendoktortitel zu erhalten, und außerdem wurde sie als erstes weibliches Ehrenmitglied in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Nicht zuletzt fasziniert sie als kritische Zeitzeugin der untergehenden Monarchie und als radikale Pazifistin, der die Kriegsbegeisterung zu Beginn des 1. Weltkriegs zutiefst zuwider war. hak

Bild: SZ-Photo 8. März 2011, 13:262011-03-08 13:26:51 © SZ vom 08.03.2011/elis/vsch