Zum Weltfrauentag: Bayerische Pionierinnen – Christl-Marie Schultes

"Der Teufel kommt!", sollen einige mit Mistgabeln bewaffnete Bauern geschrien haben, als Christl-Marie Schultes, die erste bayerische Pilotin, am Himmel ihre Runden drehte. Dem konservativen Frauenbild ihrer Zeit wollte sich die Tochter eines Försters schon als Kind nicht fügen. 1904 bei Waldmünchen geboren, interessierte sich das Mädchen früh für Maschinen. Schon mit 14 Jahren kannte sie nur noch ein Ziel: Sie wollte fliegen. Unter dem Vorwand, einen Kochkurs zu besuchen, reiste sie nach Berlin - um Flugstunden zu absolvieren. Im Jahr 1929 kaufte sie sich schließlich ihre erste Maschine, die "Bad Tölz" - und wurde mit ihren Kunstflügen schnell prominent. Ihr Versuch, die Welt zu umreisen, endete 1931 nach wenigen Kilometern mit einem Absturz. Dabei verlor die Pionierin ihr linkes Bein, dennoch setzte sie sich sechs Monate später wieder in den Flieger. Konflikte mit dem Hitler-Regime endeten für Christel-Marie Schultes 1944 im KZ. Verarmt und vergessen starb sie 1976 in Schwabing. Den Frauen konnte sie nicht zum Durchbruch im Flugwesen verhelfen. Bei der Lufthansa beträgt der Pilotinnenanteil nur fünf Prozent - Tendenz immerhin steigend. spf

Bild: SZ-Photo 8. März 2011, 13:262011-03-08 13:26:51 © SZ vom 08.03.2011/elis/vsch