Würzburg: Drohende Ausweisung:OB bittet Innenminister um Hilfe

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Cengiz aber hat offenkundig einen Fehler gemacht: Der Türke habe angegeben, erklärt die Würzburger Ausländerbehörde, in Deutschland studieren zu wollen. Zwar ist Cengiz tatsächlich an Hochschulen in Nürnberg und Darmstadt eingeschrieben gewesen. Jeglichen Nachweis für ein ernsthaft betriebenes Studium habe er allerdings vermissen lassen. Somit, das bestätigt das Verwaltungsgericht, wäre die Aufenthaltsgenehmigung unter falschen Voraussetzungen zustande gekommen. Cengiz muss das Land verlassen.

Integrationslehrer aus dem Bildungswerk ringen angesichts einer möglichen Abschiebung um Fassung: Natürlich, sagt Rabia Ünlü, werde man notfalls jemanden finden, der die Einrichtung leitet. "Aber kaum jemanden mit diesem Engagement und diesen Kontakten." Auch mehrere CSU-Politiker sprechen sich unterdessen für eine Sonderregelung aus. Man könne nicht ständig über die Notwendigkeit von Integration sprechen und Migranten mit guter Ausbildung fordern - "und wenn sich dann einer darum kümmert, dann weist man ihn aus", sagt der CSU-Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder.

Der Oberbürgermeister von Würzburg, Georg Rosenthal (SPD), hat Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gebeten, den Fall an die Härtefallkommission des Landtags weiterzuleiten. Die Stadt Würzburg habe lediglich Bundesrecht vollzogen, erklärt der Rathauschef: "Viele können nicht verstehen, dass alle Integrationsbemühungen nicht ausreichen, um Herrn Cengiz Bleiberecht zu ermöglichen."

Warum hat Cengiz nicht studiert? "Es gibt doch auch viele Deutsche, die ihr Studium abbrechen", erklärt er. Seine Frau sei schwanger geworden, er habe eine Halbtagsstelle in der Würzburger Integrationseinrichtung angenommen - "und irgendwann habe ich gemerkt, dass das genau mein Ding ist".

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