Wahlkampf der NPD Hassreden in der Provinz

Dass sich die NPD nun ausgerechnet Eggenfelden als "zentrale Wahlkampfveranstaltung" in Bayern ausgesucht hat, sieht Bürgermeister Werner Schießl (FDP) nicht gern.

Doch noch unliebsamer ist ihm die Aufmerksamkeit, die seinem Städtchen derzeit zu Teil wird: "Eggenfelden ist nicht die braune Stadt, wie sie in den Medien dargestellt wird."

Das ist ein Satz, den der Bürgermeister immer wieder sagt. Am liebsten wäre es ihm, man würde lediglich über das Bürgerfest berichten, das am Samstag stattgefunden hat. Eine Veranstaltung gegen - und jetzt kommt man nicht umhin, den Grund zu nennen - die Wahlkampfveranstaltung der NPD.

NPD-Verstaltung im Stadtsaal ja, Fackelumzug nein

Wahrscheinlich spricht Schießl auch aus einem anderen Grund ungern über die NPD. Denn die Stadt musste in ihrer Auseinandersetzung mit der Partei eine Niederlage einstecken. Stadt und Landratsamt Rottal-Inn wollten verhindern, dass die rechtsextreme Partei die Veranstaltung in der Stadthalle abhält.

Die NPD kündigte daraufhin an, eine Demonstration mit Fackelzug durch die Stadt veranstalten zu wollen - was wesentlich medienwirksamer gewesen wäre. Dann doch lieber die Veranstaltung in der hermetisch abgeriegelten Halle, sagte sich Schießl. Stadt, Landratsamt und NPD setzten sich also an einen Tisch - und handelten folgenden "Kompromiss" aus: Veranstaltung im geschlossenen Stadtsaal ja, Fackelzug nein.

Damit ist es der NPD also im dritten Anlauf gelungen, die erste große Wahlkampfveranstaltung in Bayern abzuhalten. Die Partei wird dies wohl nach außen hin als vollen Erfolg verbuchen. Denn sie hat alles aufgefahren, was sie zu bieten hat. Mitglieder des Bundesvorstands sind gekommen, darunter etwa auch der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger, der vor dem Rednerpult in einer Reihe sitzt mit dem Bundesvorsitzenden Udo Voigt.

Im Saal sieht man vereinzelt die schwarze Kleidung der autonomen Nationalisten, bei den Jugendlichen Lonesdale und Landser-Shirts. Das ältere Publikum dagegen präsentiert sich bieder. Manch einer ist in Lederhose und Trachtenjanker gekommen.

Voigt, der nach Pastörs vor diesem gemischten Publikum eine lange Rede hält, hatte bereits nach den Wahlerfolgen der NPD in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern angekündigt, jetzt gehe es mit Schwung in den Westen. Damit meinte der NPD-Bundesvorsitzende vor allem Bayern. Er hofft, hier den Brückenkopf zu den alten Bundesländern schlagen zu können.

NPD-Mann Roßmüller: "In Kürze wird das Beckschwein geschlachtet"

Nicht ganz unberechtigt, wie eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2006 nahe legt. Demnach leben in Bayern die meisten Menschen mit "geschlossenem rechtsextremen Weltbild". Während im gesamten Bundesgebiet der Prozentsatz bei 8,6 Prozent lag, wies die Studie in Bayern diese Einstellung bei insgesamt 14,3 Prozent nach. Nur: Dieser Prozentsatz hat bislang nicht rechtsextrem gewählt.

Das wiederum will die NPD ändern, glaubt der Journalist und Szenekenner Robert Andreasch. Nach wie vor gibt sich die Partei nach außen zuversichtlich, Sascha Roßmüller spricht vollmundig von fünf Prozent plus X, die man bei der Landtagswahl erreichen könnte.

Doch die NPD hat bei der Rechnung einige Variablen vergessen. Zum einen hat sie wohl nicht damit gerechnet, dass die Republikaner zur Wahl antreten. Am 28. September konkurrieren also zwei Parteien rechts der CSU um Stimmen.

Und die Republikaner haben in Bayern im Gegensatz zur NPD entscheidende Vorteile: Sie sind hier stärker verankert und werden nicht mehr im Verfassungsschutzbericht geführt. Zum anderen ist da noch die Linke, die dieses Jahr erstmals in Bayern antritt und mit der sich die NPD bei den Themen Globalisierungs- und Kapitalismuskritik überschneidet.

Ein möglichst billiger Wahlkampf

Doch das ist nicht das einzige Problem der NPD: Ihr fehlt offenbar schlicht das Geld für den Wahlkampf. So hat Schatzmeisterin Bettina Roßmüller erst im August in der Deutschen Stimme einen Spendenaufruf gestartet.

Andreasch glaubt deshalb, dass die Partei nun einen möglichst billigen Wahlkampf führen will - mit dem Ziel, zumindest die Ein-Prozent-Marke zu knacken. So viel braucht sie, um sich für die Wahlkampfkostenrückerstattung zu qualifizieren.

Sascha Roßmüller kämpft unterdessen. Und dann findet er doch noch etwas, mit dem er das Publikum im Stadtsaal in Eggenfelden begeistern kann. Er kündigt für die Kameraden eine Grillfeier an, dafür habe der Vorstand beim Bauer Beck "eine ganze Sau" besorgt. "Ich kann also mit Recht sagen, in Kürze wird das Beckschwein geschlachtet", sagt er. Sein grobschlächtiger Humor kommt an beim Publikum. Es gibt Applaus. Doch der CSU wird er damit keine Wählerstimmen abjagen.