US-Armee in der Oberpfalz:Anwohner sauer über Drohnenabsturz

Lesezeit: 2 min

US-Armee in der Oberpfalz: Mit einer Drohne dieses Typs hat die US-Armee Übungsflüge auf dem Truppengelände in Hohenfels veranstaltet. Jetzt ist eines der Geräte abgestürzt.

Mit einer Drohne dieses Typs hat die US-Armee Übungsflüge auf dem Truppengelände in Hohenfels veranstaltet. Jetzt ist eines der Geräte abgestürzt.

(Foto: privat)

Eine 150 Kilo schwere Drohne der US-Armee ist auf dem Übungsplatz Hohenfels in der Oberpfalz zerschellt. Erst auf Nachfrage räumt die US-Armee den Unfall ein. Bei den Anwohnern kann man diese Haltung nicht verstehen - zumal sie von weiteren Irrflügen ausgehen.

Von Wolfgang Wittl, Hohenfels

Als Peter Braun am Mittwochmorgen den Anruf hinter sich hatte, konnte der Tag für ihn nur noch besser werden. Sein Gesprächsteilnehmer teilte ihm mit, dass auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels in der Oberpfalz wohl eine Drohne abgestürzt sei, und fragte, was er als Bürgermeister der benachbarten Marktgemeinde Schmidmühlen davon halte. Zum großen Bedauern Brauns kam der Anruf allerdings nicht von einem Angehörigen des US-Militärs, sondern von einem Journalisten. "Mehr als schade" sei das, klagt der Bürgermeister, und leider passiere das nicht zum ersten Mal. Die US-Streitkräfte betonten zwar immer die gute Zusammenarbeit mit ihren deutschen Nachbarn, doch wenn es konkret werde, bleibe davon wenig übrig.

Tatsächlich räumte die US-Armee am Mittwoch erst auf Nachfrage ein, dass sich über dem Truppenübungsplatz Hohenfels ein Unfall ereignet hat. Bereits am 4. November gegen 16 Uhr sei eine Drohne des Typs "RQ-7 Shadow" abgestürzt, offenbar aus bislang unerfindlichen Gründen. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden. Das unbemannte Fluggerät sei mitten auf dem abgesperrten Trainingsgelände zu Boden gegangen, seinen erlaubten Korridor habe es während der ganzen Zeit nicht verlassen.

Spannweite von vier Metern

Nach Angaben eines US-Sprechers sei die Drohne unbewaffnet gewesen. Die "RQ-7 Shadow" zählt zu den kleineren Typen, ihre Spannweite wird mit knapp vier Metern angegeben, vollbetankt wiegt sie gut 150 Kilogramm. Außer der Drohne seien keine weiteren Gegenstände beschädigt worden, heißt es in der Stellungnahme. Der Flugkörper gehöre zum "First Brigade Combat Team", welches am Manöver "Combined Resolve III" teilnehme. Die Strategie der Army sieht vor, dass Truppen aus den Vereinigten Staaten in einem rotierenden System zum Üben in die Oberpfalz kommen.

US-Armee in der Oberpfalz: Mit einer Drohne dieses Typs hat die US-Armee Übungsflüge auf dem Truppengelände in Hohenfels veranstaltet. Jetzt ist eines der Geräte abgestürzt.

Mit einer Drohne dieses Typs hat die US-Armee Übungsflüge auf dem Truppengelände in Hohenfels veranstaltet. Jetzt ist eines der Geräte abgestürzt.

(Foto: privat)

Informationen des Bayerischen Rundfunks, die Drohne sei erst nach tagelanger Suche entdeckt worden, wies ein Sprecher der Streitkräfte zurück. Das Gerät verfüge über einen GPS-Sender und sei sofort gefunden worden. Bürgermeister Braun würde das gerne glauben, doch sein Vertrauen schwindet zunehmend. Angesichts der Kommunikationspolitik der Army müsse man sich nicht wundern, wenn solche Gerüchte auf fruchtbaren Boden fielen.

Anwohner berichten von mehreren Vorfällen

Schon Anfang des Jahres hatten die US-Streitkräfte eingestehen müssen, dass sich eine Drohne außerhalb des erlaubten Geländes verirrt hatte. Anwohner berichteten sogar von mehreren Vorfällen. Nicht nur in einer Bürgerinitiative herrschen inzwischen Zweifel, ob die Drohnen vorsätzlich über deutschen Dächern eingesetzt werden. Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko (Die Linke) fordert die Bundesregierung auf, "schonungslos für Transparenz zu sorgen". Der jetzige Absturz lege nahe, dass US-Drohnen nicht wie vorgeschrieben lediglich über den Übungsplätzen aufsteigen, sondern das Gelände auch verlassen würden. Dreimal habe er versucht, die US-Basis in Hohenfels zu besichtigen, erklärt Hunko: "Jedes Mal wurde ein Besuch unter fadenscheinigen Gründen vereitelt."

Schmidmühlens Bürgermeister Braun versucht derweil bereits die nächsten Spekulationen zu ergründen. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass bis zu 30 Helikopter vom Standort Ansbach nach Hohenfels verlegt würden. Damit sei er "erst einmal bedient, vielen Dank".

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema