Feuervergolder im Allgäu:Das große Geheimnis ist der Färbeprozess

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Feuervergolder Dirk Meyer

Dirk Meyer hält einen Tischbeschlag aus dem niederländischen Königshaus in der Hand.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Auch aus Asien kommen Anfragen, was verwunderlich scheint, da es dort eine Vielzahl an Feuervergoldern gibt. Schon im fünften Jahrhundert waren in China zahlreiche Mönche mit der Technik vertraut. "In Nepal oder Indien ist es heute noch gängig, buddhistische Skulpturen mit Feuer zu vergolden", erklärt Dirk Meyer. Allerdings erfüllten nicht alle den europäischen Standard.

Das Geheimnis liegt nicht in der Feuervergoldung selbst, sondern im Färbeprozess. Sein Wissen hat Meyer aus einem kleinen Büchlein, das er vor Jahren zufällig auf einem Flohmarkt fand. Kaum lesen konnte er die altdeutsche Handschrift, die vermutlich vom Lehrling eines Goldschmieds aus dem 18. Jahrhundert stammt. Sie entpuppte sich als Rezeptbuch verschiedenster Farben in der Feuervergoldung. "Meine Frau erklärte mich damals für verrückt, weil ich 80 Mark für so ein Notizbuch ausgab", erinnert sich Meyer. "Heute ist es Gold wert!" Ob die Deutsche, Wiener oder Französische Goldfarbe - Dirk Meyer beherrscht sie alle. Die Rezepturen verrät er niemandem.

Ein lukrativer Job - im Moment

Neben den Projekten der Königshäuser machen heute mit Gold verzierte Pendulen, Leuchter oder Möbelbeschläge sein Tagesgeschäft aus. Antiquitätenhändler, Sammler und Privatleute aus aller Welt lassen ihre "Goldstücke" bei ihm wieder auf Hochglanz bringen. "Nachher werden sie meist für den fünffachen Preis verkauft oder auf Auktionen in London oder Paris versteigert", erzählt Meyer. Nicht gerade kleine Summen gehen da über den Tisch. Als Selbstständiger in seinem Ein-Mann-Betrieb, sagt Meyer, "verdiene ich im Moment ganz gut, aber es gab auch schon ganz andere Zeiten."

Feuervergolder Dirk Meyer

Der Beschlag wurde etwa um 1810 mit einem Amalgam aus Quecksilber und Gold bestrichen. Durch die hohe Temperatur verdampft das Quecksilber und das Gold verfestigt sich.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Bis vor 15 Jahren führte der 54-Jährige noch eine Goldschmiede mit Ladengeschäft, zunächst in Magdeburg, später im Frankfurter Raum. Nur wenige fragten nach vergoldetem Schmuck, Uhren oder Brillen. Und immer wieder wurde bei ihm eingebrochen. Einmal kostete ihn ein Überfall beinahe das Leben. "Beim achten Einbruch hat der Täter wirklich abgedrückt, da ging die Kugel ganz knapp an meinem Hals vorbei. Später habe ich das Loch in meinem Kragen entdeckt", erzählt Meyer.

Nur wenige Menschen beherrschen die Technik

Zur Feuervergoldung kam der Goldschmied erst, als das Mainzer Bistum ihn bat, einen Messkelch aus dem 17. Jahrhundert feuerzuvergolden. "Da ist mir eingefallen: Das hab ich mal gelernt, damals in der Lehre", erklärt Meyer. Allerdings blieb die Nachfrage aus, sodass er die Technik schnell wieder vergaß. Erst mit dem Mainzer Auftrag habe er gemerkt, dass das kaum einer mehr kann.

Denn die alte Technik, mit der schon die Römer und Kelten ihren Schmuck und Waffen vergoldeten, ist kompliziert. Eine Legierung aus Feingold und Quecksilber wird auf das Metall aufgetragen, das auf 300 Grad erhitzt wird. Das dabei verdampfende Quecksilber lässt in Verbindung mit Schwefel und Sauerstoff hochgiftige Stoffe entstehen und bedarf daher modernster Sicherheitstechnik.

Das alles hat Dirk Meyer in seinem Landhaus im überschaubaren Maierhöfen. Oben wohnt er mit seiner Frau, die Kinder sind schon längst aus dem Haus. "Früher waren sie auch manchmal in der Werkstatt, heute haben beide ihre eigenen Berufe", erzählt der 54-Jährige. Doch jetzt, wo Papa königliche Kutschen restauriert, hat auch sie die Neugier gepackt.

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