Sebastian Frankenberger "Ich gönne mir jetzt eine Auszeit"

Polarisierer: Sebastian Frankenbergers Aktionen waren auch in den eigenen Reihen umstritten.

(Foto: joergensen.com)

Die Scheidung ist besiegelt: Sebastian Frankenberger war der Mann, der 2010 das Volksbegehren zum Nichtraucherschutz in Bayern initiierte. Nun zieht er sich aus der Politik zurück - und begründet das damit, wie in der ÖDP mit ihm umgegangen wird.

Von Dietrich Mittler

In der Stunde des Triumphes, also nach dem erfolgreichen Volksbegehren Nichtraucherschutz im Juli 2010, da wurde der Name der kleinen, christlich orientierten Öko-Partei ÖDP in einem Atemzug mit jenem von Sebastian Frankenberger genannt.

Die ÖDP hatte mit der Einführung des strengeren Rauchverbots in Bayern einen Sieg errungen, den sie einem bunten, für manche auch schillernden Paradiesvogel zu verdanken hatte - eben jenem jungen Passauer, der etwa mit Kostümtheaterstadtführungen sein Geld verdiente und mit seinen Äußerungen oft so gar nicht zum konservativen, ja biederen Parteierscheinungsbild passte. "Ich bin immer noch ÖDPler mit Leib und Seele", sagt Frankenberger - doch es klingt wie eine Liebeserklärung kurz vor der Scheidung.

Unüberwindbare parteiinterne Querelen

Die Nachricht verbreitete sich am Montag, mit einem Interview im Münchner Merkur. Der junge ÖDP-Bundesvorsitzende wird darin mit Sätzen zitiert wie: "Ich habe beschlossen, dass ich mich jetzt vorerst aus der aktiven Parteiarbeit zurückziehe. Ich werde überdenken, wo ich meine Energie künftig reinstecken möchte." Der Grund für diese Äußerung liegt offenbar in unüberwindbaren parteiinternen Querelen. Frankenberger hierzu: "Zum Beispiel wurde mir mehrfach gesagt, dass ich in meiner Heimatstadt Passau nichts mehr zu suchen habe und mich angeblich 80 Prozent der Passauer hassen."

"Ich bin eine sehr polarisierende Persönlichkeit, habe in der Vergangenheit sicherlich auch Fehler gemacht", räumt er ein. Doch wie mittlerweile mit ihm umgegangen werde, das bringe ihn an seine Belastungsgrenze. "Ich brauche erst einmal kompletten Abstand von der Politik", sagt er.

Harmonie war seit Jahren gestört

Namen und Details dazu, was eine derartige Kursänderung hervorgerufen haben könnte, will er nicht nennen. Nur das lässt er raus: "Wir wollten nicht so sein wie die etablierten Parteien, wir haben uns einen Ehrenkodex geschaffen - und dann verhalten wir uns intern derart schlimm." Dabei spielte wohl auch eine Rolle, dass er bei der Europawahl nur auf Listenplatz zwei gesetzt wurde.

Es ist kein Geheimnis, dass die Harmonie zwischen Frankenberger und seinen Parteifreunden in und um Passau seit Jahren gestört ist, sei es durch seine, wie er selbst sagt, "polarisierenden" Auftritte als Passauer Stadtrat, sei es durch seine 2012 im Fernsehen geäußerte Kritik an Bischof Wilhelm Schraml, als unter anderem das Wort "Pharisäer" fiel. "Das ist nicht die Ursache des Konflikts, hat aber die Sache bestimmt angeheizt", sagt Bernhard Suttner, der frühere ÖDP-Landesvorsitzende. Dem jungen Parteifreund habe er oft geraten: "Sei konstruktiv."

"Ich gönne mir jetzt aber eine Auszeit"

Frankenberger selbst lässt durchblicken, dass auch sein unkonventionelles, ja provokantes Auftreten manchem ein Dorn im Auge war. Da fiel wohl öfter auch das Wort "Kasper" und ähnliches. Dieses Image hatte er selbst befeuert, etwa mit seinem Buch "Volk, entscheide!", in dem religiöse Botschaften eines Kurzzeit-Eremiten mit politischen Statements und Abhandlungen über sein langes Haupthaar eine bizarre Allianz eingehen.

Dinge, die von jenen, die ihn ablehnen, mit dem Etikett "typisch Frankenberger" belegt werden. Doch das verstellt den Blick auf den anderen Frankenberger: einen äußerst hart und effizient arbeitenden Jungpolitiker, der als Bundesvorsitzender konsequent daran feilte, die ÖDP zu einer nicht minder effizienten Partei zu machen.

Dieses Ziel hat er offenbar noch nicht völlig aufgegeben. "Ich werde nicht sofort als Bundesvorsitzender zurücktreten, ich gönne mir jetzt aber eine Auszeit", sagte er.