Rohstoffe Die Suche nach dem letzten Tropfen Öl

Bayern reagiert auf die hohen Rohstoffpreise: Mit Millionen-Aufwand erschließen Firmen im bayerischen Alpenvorland noch ungenutzte Ölquellen.

Von Stefan Mayr

Angesichts ständig steigender Rohölpreise haben auch in Bayern mehrere Unternehmen ihre Suche nach Ölfeldern verstärkt. Gleich drei Forschungstrupps suchen derzeit zwischen Oberallgäu und Chiemgau nach neuen Lagerstätten. Den Auftraggebern aus Österreich, Frankreich, Tschechien und Deutschland ist angesichts des hohen Preises von fast 100 Dollar pro Barrel kein Aufwand zu groß: Sie investieren jeweils zweistellige Millionen-Summen in aufwendige Seismik-Untersuchungen und Erkundungsbohrungen, die bis zu 4500 Meter tief gehen.

Während des Booms in den achtziger Jahren hatte es bis zu 30 Förderstätten im Freistaat gegeben.

(Foto: Foto: Gregor)

Die Wintershall AG aus Kassel ist bereits fündig geworden: Sie hat ihre Bohrstätte in Großaitingen bei Augsburg um zwei kräftig sprudelnde Quellen erweitert. 2008 wird eine Erkundungsstation in Schwabmünchen errichtet, weitere Probebohrungen sind geplant.

Damit erlebt die Erdölförderung in Bayern einen zweiten Aufschwung, mit dem zwischenzeitlich niemand mehr gerechnet hat. Während des Booms in den achtziger Jahren hatte es bis zu 30 Förderstätten im Freistaat gegeben, davon blieben zuletzt aber nur zwei Anlagen übrig. Auch diese galten als Auslaufmodelle, zumal die Förderung aus den Gesteinsschichten in mehreren tausend Metern Tiefe schwieriger und teurer ist als im Ausland.

Doch dann setzte der Ölpreis zum Höhenflug an und machte selbst winzige Ölfelder wie jenes in Hebertshausen bei Dachau rentabel. "Beim aktuellen Preis lohnt sich auch eine Förderung mit großem Aufwand", sagt Derek Mösche von der RWE Dea AG, die in Hebertshausen pro Jahr 4000 Tonnen Rohöl fördert. Das ist gerade einmal 0,1 Prozent der gesamtdeutschen Fördermenge von vier Millionen Tonnen. "Aber zurzeit wird jeder Tropfen gerne in Empfang genommen", sagt Mösche.

Streit um die Förderabgabe

Das Erdölzeitalter in Südbayern begann bereits 1883 am Tegernsee. Dort wurde zum ersten Mal eine Ölquelle angezapft. Eine wirtschaftlich rentable Förderung setzte allerdings erst 1954 ein. Seit 1979 - damals lag der Ölpreis bei zehn Dollar pro Barrel - sind die Pumpen zwischen den schwäbischen Dörfern Großaitingen und Kleinaitingen in Betrieb.

Deren Betreiberin, die Wintershall AG, investierte nun 15 Millionen Euro und schickte 150 Experten auf das Lechfeld, um auf einer Fläche von 84 Quadratkilometern mit sogenannten Vibro-Trucks Ölfelder unter der Erde zu erkunden. Diese Lastwagen senden mit vibrierenden Bodenplatten oder durch kontrollierte Sprengungen Schallwellen in den Boden, deren Echo mit Geophonen registriert wird. Dies ermöglicht eine genaue Karte der Erdschichten bis in mehrere tausend Meter Tiefe.

Für Wintershall hat sich der Aufwand gelohnt: Durch den Anschluss der neuen Quellen "Aitingen Süd1" und "Aitingen7" stieg die Fördermenge von 30.000 um ein Drittel auf 40.000 Tonnen pro Jahr. Dies ist etwa ein Prozent der bundesdeutschen Fördermenge. Die deckt allerdings gerade drei Prozent des gesamten Erdölverbrauchs von 130 Millionen Tonnen pro Jahr.

Die österreichische OMV AG hat in Zusammenarbeit mit Gaz de France und der tschechischen MND Exploration Ltd. von Juli bis September auf einer Länge von 215 Kilometern seismische Untersuchungen durchgeführt. Die Expedition zwischen Forggensee, Staffelsee und Starnberger See kostete etwa drei Millionen Euro, die Daten werden derzeit ausgewertet. An den erfolgversprechenden Stellen soll von 2008 an gebohrt werden. Ähnlich geht die Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG) aus Wien zwischen Salzach und Inn vor.

Die Firmen hoffen auf einen Fund, um ihre Millionen-Investition wieder hereinzuholen. Doch auch der bayerische Finanzminister drückt seine Daumen: Denn für eine Erkundungserlaubnis bekommt der Freistaat nur bis zu 3500 Euro, bei einer Förderbewilligung kassiert er dagegen bis zu 12.000 Euro - plus einer Förderabgabe, die fünf Prozent vom Verkehrswert beträgt. Dabei kamen zuletzt durchschnittlich 200.000 Euro pro Jahr zusammen.

Von diesem Betrag will Franz Stellinger, der Bürgermeister der Öl-Gemeinde Großaitingen, seit Jahren etwas abbekommen. "Erst neulich mussten wir eine neue Unterführung bauen, damit die Lkw durchkommen", sagt Stellinger. "Trotzdem bin ich bei Edmund Stoiber auf taube Ohren gestoßen", berichtet der SPD-Mann, "aber jetzt mit Beckstein werde ich es noch einmal versuchen."