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Pfaffenhofen/Ilm:10H-Regel für Windpark außer Kraft gesetzt

Das ist ein doppelter Erfolg für die Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) im Landkreis Pfaffenhofen. Nach gut vierjährigem Tauziehen hat sie dieser Tage die Baugenehmigung für ihren Windpark im Förnbacher Forst erhalten. Die Genehmigung ist nicht nur die überhaupt erste für einen Windpark im laufenden Jahr in Bayern. Sondern sie ist auch eine der ganz wenigen, bei der die höchst umstrittene Abstandsregel 10H außer Kraft gesetzt worden ist. Der BEG-Vorsitzende und Ingenieur Andreas Herschmann ist jetzt guter Dinger, dass die drei Windräder, für die er und seine Mitstreiter gekämpft haben, Ende 2021 in Betrieb gehen können.

Die drei jeweils 230 Meter hohen Anlagen haben eine Leistung von je 4,2 Megawatt und decken rein rechnerisch den Strombedarf von bis zu 7000 Haushalten. Die Investitionskosten betragen 15 Millionen Euro. Sie werden von der BEG gestemmt. Die Genossenschaft zählt etwa 780 Mitglieder, die im Landkreis Pfaffenhofen daheim sind. Die lokale Verankerung der BEG ist es, warum sich die Windkraftgegner der Region nicht durchsetzen konnten. Im Oktober 2016 sprachen sich in einem Bürgerentscheid Pfaffenhofen fast 57 Prozent der Abstimmenden für das Projekt aus. Das positive Votum war der Grund, warum die Stadt Pfaffenhofen das Vorhaben vorangetrieben und das Landratsamt es jetzt genehmigt hat, obwohl es die Abstandsregel 10H nicht einhält. Sie gibt vor, dass die Distanz zwischen neuen Windrädern und den nächsten Wohnhäusern wenigstens das Zehnfache der Anlagenhöhe betragen muss. Im Falle der Windräder im Förnbacher Forst wären das 2,3 Kilometer. Der tatsächliche Abstand der drei Anlagen zu den nächsten Siedlungen beträgt zum Teil etwa 1000 Meter. Das Abweichen von 10H war nur möglich, weil die Stadt Pfaffenhofen eine entsprechende Bauleitplanung erarbeitet hat. Das langwierige, umständliche Verfahren dafür ist den allermeisten Bürgermeistern und Gemeinderäten zu aufwendig. Deshalb scheuen sie davor zurück. Und deshalb werden seit Inkrafttreten der 10H-Regel kaum noch Windräder in Bayern errichtet. Der Chef des Windkraftverbands BWE in Bayern, Matthias Grothe, fordert denn auch, dass 10H unbedingt gelockert werden müsse, wenn die Windkraft in Bayern einen Beitrag zur Energiewende liefern soll.

© SZ vom 20.08.2020 / cws
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