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Obersalzberg: Hotel der Landesbank:Das Millionengrab

Großer Luxus, geringe Auslastung: Das Fünf-Sterne-Hotel Interconti auf dem Obersalzberg hat 15 Millionen Euro Verlust gemacht. Dafür kommt nicht die Interconti-Gruppe auf, sondern die Bayerische Landesbank.

H. Effern

Der damalige Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) zeigte sich mächtig stolz, als er im Februar 2005 wenige Monate vor der Eröffnung das neue Fünf-Sterne-Hotel auf dem Obersalzberg präsentierte. Das Haus werde ein touristischer Anziehungspunkt im Berchtesgadener Land, sagte er. "Ich freue mich sehr, dass für den Betrieb der internationale Hotelkonzern Intercontinental gewonnen werden konnte." Das war aber, wie sich jetzt herausstellt, nur die eine Seite der Wahrheit.

Das Intercontinental-Hotel auf dem Obersalzberg verfügt über Fünf-Sterne-Luxus und viele leere Zimmer.

(Foto: Foto: dpa)

Tatsächlich betreibt das Hotel von Anfang an bis zum heutigen Tag eine Tochterfirma der Bayerischen Landesbank - und das Geschäftsrisiko trägt der bayerische Steuerzahler. Von den durchschnittlich 150 Beschäftigen im Jahr 2008 waren nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bis auf eine Ausnahme alle bei der Landesbank angestellt.

Interconti stellte gegen eine Gebühr nur den Hoteldirektor, dazu den Namen und das Buchungssystem. Der international renommierte Konzern scheute das Risiko als Betreiber aus gutem Grund: Die für das Hotel zuständige Landesbank-Tochter wies in den Jahren 2005 bis 2008 insgesamt fast 15 Millionen Euro an Verlusten aus.

Dass die BayernLB das Hotel auf dem Obersalzberg, dem von den Nazis okkupierten Lieblingsort Adolf Hitlers, mit ihrer Tochterfirma Gewerbegrund selbst erbaute, hatte politische Gründe. Das bayerische Kabinett verfolgte auf Drängen von Faltlhauser, der als Finanzminister nach dem Abzug der Amerikaner für das Gelände verantwortlich war, ein "Zwei-Säulen-Konzept" auf dem historisch belasteten Terrain.

Zum einen sollte ein Dokumentationszentrum entstehen, um die Gräuel der Nationalsozialisten auch am Rückzugsort des Führers nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, zum anderen sollte das mehr als 50 Millionen teure Luxushotel wieder an die touristische Tradition aus der Zeit vor den Nazis anknüpfen. So sollte verhindert werden, dass rechte Gruppen den Berg zu einem Wallfahrtsort machten.

Flaute auf dem Göringhügel

Das Konzept der CSU-Spitze ging aber bisher nur teilweise auf. Während das Dokumentations-Zentrum sehr gut angenommen wurde und wegen des enormen Ansturms bereits erweitert werden musste, steht das Fünf-Sterne-Hotel seit Jahren halbleer auf dem Eckerbichl, im Volksmund "Göringhügel" genannt, weil hier die Nazigrößen Hermann Göring und Martin Bormann ihre Landhäuser stehen hatten. 53,4 Prozent Auslastung meldet die "Berchtesgaden International Resort Betriebs GmbH" , wie die aktuell zuständige Tochter der BayernLB nach einigen Namensänderungen nun heißt, für das Jahr 2008. Die Jahre zuvor war die Belegung nicht wesentlich anders.

Pech für Interconti, mochte man bisher denken, doch an der Hotelkette bleibt der Verlust nicht hängen. "Das unternehmerische Risiko liegt weitgehend bei der Betriebsgesellschaft", heißt es von der BayernLB. Wer zahlt also das halb leer stehende Hotel mit den zwölf Suiten und 126 Doppelzimmern? "Die Ergebnisse der Betriebsgesellschaft fließen in die Bilanz der BayernLB ein", sagt Matthias Priwitzer, Sprecher der Landesbank.

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