Flughafen Hof-Plauen:Keine Gäste heute

Was nun folgt, würde aus jedem Drehbuch gestrichen, die Szene ist einfach zu grotesk: Der Mann im Sakko kann noch nicht in den Wagen steigen, der gerade vorfährt, denn der einzige Passagier der Maschine Frankfurt-Hof hat seinen Koffer in Frankfurt nicht mit an Bord nehmen dürfen. Er war zu schwer und musste deshalb beim Einchecken aufgegeben werden - nun ist er verschollen. Der Passagier steht also ohne Gepäck in Hof. Es wird jetzt etwas unangenehm am Abfertigungsschalter, der Passagier findet das "unfassbar", was da mit ihm passiert. Der Flug immerhin, erzählt er später, sei "sehr angenehm" gewesen, die Stewardess habe sich rührend um ihn gekümmert, wie viele Getränke es gab, wisse er gar nicht mehr.

Die besagte Stewardess läuft gerade vorbei, der Passagier ruft: "Ciao und danke Diana", offenbar duzt man sich inzwischen. Diana, erzählt der Passagier, habe ihm an Bord berichtet, jeder Passagier zwischen Hof und Frankfurt werde mit mehr als 200 Euro Steuergeld subventioniert. "Stimmt das?", fragt der Passagier. Das stimmt.

Die beiden Taxifahrer wollen nun weg, keine Gäste heute. Wer sie fragt, ob das die Normalität ist am Hofer Flughafen, sieht wieder dieses Lachen. "Normalität vielleicht nicht", sagt der erste, "aber Realität." Weniger als 15.000 Fluggäste nutzten die Linie im letzten Jahr, 2008 waren es noch 25.000. Die Passagierzahlen, hofft Geschäftsführer Klaus-Jochen Weidner, sollen nun "wieder nach oben gehen", wenn Cirrus jetzt wieder regelmäßig fliege. Ob diese Rechnung aufgeht, scheint indes mehr als fraglich: Denn 2010 flog Cirrus noch dreimal täglich Frankfurt-Hof, hin und zurück. Nach der großen Krise, nachdem der Freistaat eine weitere Million bewilligt hat, fliegt die Linie jetzt nur noch zweimal.

Von Hof nach Frankfurt zum Beispiel bestiegen gestern früh um 6 Uhr genau elf Passagiere die Maschine: Darunter ein Amerikaner aus Wunsiedel, der sich von seiner Frau verabschiedete. Eine Frau aus Hof, die von ihrem Mieter zum Flughafen gebracht wurde. Ein Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes der Maler und Lackierer, der einen Termin in Frankfurt hatte. Und ein Subunternehmer aus Hof auf dem Weg nach Taiwan. Er berichtet, er könnte natürlich auch vom Flughafen Nürnberg aus fliegen, 80 Autominuten entfernt: "Aber dort gibt es keine kostenlosen Parkplätze."

Der Mann, der später als einziger Passagier in Hof landet, ist ebenfalls geschäftlich unterwegs. Er stellt sich zunächst als Sänger vor, später nennt er auch seinen Namen: Rolf Stahlhofen, Mitgründer der Band Söhne Mannheims.

© SZ vom 17.06.2011/bica
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