Nürnberger Glücksforscher Es geht nicht nur um mehr Gewinn

Die Nürnberger IHK bildet Corporate Social Responsibility Manager aus und strebt an, künftig in jedem mittelfränkischen Betrieb einen solchen CSR-Manager anzutreffen. Ist das der richtige Weg?

Das ist ein sehr guter Ansatz. Corporate Social Responsibility steht für gesellschaftliche Unternehmensverantwortung. Es geht hierbei um die Berücksichtigung der Interessen aller Stakeholder, also der Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, des Staates und der Gesellschaft insgesamt, und zwar im Kerngeschäft eines Unternehmens. Firmen müssen weg vom Shareholder-Value-Denken, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, die gesellschaftliche Akzeptanz zu verlieren.

Dann müsste ja auch die Ausbildung angehender Manager überdacht werden.

In den vergangenen 20 bis 30 Jahren wurden angehende Manager weitgehend nach dem gängigen Shareholder-Value -Denken ausgebildet, bei dem die kurzfristige Gewinnmaximierung im Mittelpunkt steht. Davon müssen Unternehmen wegkommen, zumal die Generation Y heranwächst. Das sind Menschen, ab 1980 geboren, die sich nach einem ganzheitlichen Leben sehnen. Für diese Generation ist Karriere nicht der einzige Lebensinhalt, vielmehr wollen sie mit ihrer Arbeit einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten und eine ausgewogene Work-Life-Balance haben. Wir wurden schließlich nicht dazu geboren, um das Bruttosozialprodukt zu steigern. Es geht vielmehr um ein gelingendes Leben.

Welche Rolle spielt denn dann künftig noch das Geld?

Mehr Geld steigert nicht automatisch das Wohlbefinden, zu dieser Erkenntnis kamen Wissenschaftler schon vor vielen Jahrzehnten. Sind die materiellen Grundbedürfnisse gedeckt, gewöhnen wir uns sehr schnell an mehr Einkommen. Wir erhöhen einfach unsere Ansprüche. Die Bezahlung muss aber fair sein.

Beobachten Sie auch ein Umdenken der bayerischen Betriebe im Bereich der Familienpolitik?

Ja, viele Firmen erkennen mittlerweile etwa auch die Elternzeit bei Männern in Führungspositionen an. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Familienfreundlichkeit wird künftig eine entscheidende Rolle in den Unternehmen spielen. Jeder Mitarbeiter braucht eine ausgewogene Work-Life-Balance, niemand kann im ständigen Konflikt zwischen Beruf und Familie leben. Deshalb müssen Unternehmer darauf achten, diesen Konflikt bei Mitarbeitern zu vermeiden.

Was kann jeder einzelne tatsächlich tun, um wirklich zufriedener am Arbeitsplatz zu werden?

Es ist wichtig, sich Ziele zu setzen, die realistisch und erreichbar sind. Außerdem sollten Menschen einer Beschäftigung nachgehen, für die sie sich interessieren und auf einen fairen Umgang mit Kollegen achten. Ich zitiere auf Veranstaltungen gerne ein Sprichwort von Konfuzius, das besagt: Such dir eine Arbeit, die du liebst - dann brauchst du keinen Tag im Leben mehr zu arbeiten.