Mysteriöser Mord 1922 Geheimnis um eine siebte Leiche

Im neuen Film kommen der Fotograf Marc (Benno Fürmann) und sein Sohn Tyll (Henry Stange) in ein kleines Dorf. Dort plagen den Vater Albträume. Als er seinen Visionen auf den Grund geht, entdeckt er ein gefährliches Geheimnis. Es gibt eine siebte Leiche.

Die Schauspieler Benno Fürmann (links), Alexandra Maria Lara und Michael Gwisdek (liegend) während der Dreharbeiten zum Kinofilm "Hinter Kaifeck". Der Film lehnt sich fiktiv an die sechs Morde in Hinterkaifeck an.

(Foto: Foto: dpa)

Auch im richtigen Leben entwickelte der Fall rund um Hinterkaifeck eine Eigendynamik. Der Hof wurde zwar bereits 1923 abgerissen. Doch die Steine wurden im Nachbardorf wieder verbaut - und der Mord blieb in den Köpfen der Menschen präsent. Es entstanden Gerüchte, Legenden, Theorien. "Gröbern war damals ein Hamstererloch, man wusste, dass die Grubers viel Geld hatten", sagt Regina Weichselbaumer. Sie geht von einem Raubmord aus, zumal am Tag danach in Mühlried zwei fremde Männer auffielen, die nach dem Weg zum Schrobenhausener Bahnhof fragten.

Andere glauben, dass Karl Gabriel, der Ehemann der ermordeten Viktoria, Rache für die Blutschande durch den Vater nahm. Und dann gibt es eben die Variante, dass der Schlittenbauer Lorenz die Familie aus Eifersucht ausgelöscht hat.

"Der Vater hat zu uns immer gesagt, die Affäre mit der Viktoria war der einzige Fehler in seinem Leben", berichtet Tochter Regina. "Wir sind um sein Totenbett rumgestanden, und er hat gesagt, er hat damit nix zu tun", beteuert Lorenz junior. Pfarrer Hans Bumiller sei dabei gewesen und habe 1942 sogar in einer Kirchenzeitung niedergeschrieben, "dass er das glaubt, weil Sterbende lügen nicht". Allerdings hat die Familie diesen Artikel nie gefunden.

Josef Plöckl, der ehemalige Bürgermeister von Waidhofen, ist sich dennoch sicher: "Der Schlittenbauer war es nicht." Er kenne einen anderen Namen - den hätten einige Alte genannt, als sie im Sterben lagen. Nennen will Plöckl diesen Namen nicht: "Das ist sehr schwierig, die Nachfahren leben noch."

Noch 2009 werden zwei weitere Filme zum Thema erscheinen: Im November kommt die Adaption von Andrea Maria Schenkels Bestseller "Tannöd" ins Kino. Wenige Tage zuvor zeigt das ZDF eine Dokumentation des Filmemachers Kurt Hieber. Seine Grundlage sind die Untersuchungsergebnisse der Polizeifachhochschule in Fürstenfeldbruck. 2007 hatte eine 15-köpfige Studentengruppe die alten Akten nach neuesten Methoden ausgewertet. Sie gewannen viele Erkenntnisse. Von welchem Täter sie ausgehen, verrieten sie aber nicht. Die fast 200-seitige Arbeit gilt als "vertrauliche Verschlusssache nur für den Dienstgebrauch".

Weil im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Akten in Augsburg verbrannten und keine Zeitzeugen mehr leben, wird Hinterkaifeck wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Das sagt auch Journalist Peter Leuschner, der schon zwei Bücher zum Fall veröffentlicht hat und nun ein Taschenbuch herausbringt: "Am Ende bleiben mehr Fragen als Antworten."

Dies macht Hinterkaifeck offenbar umso faszinierender. Am Ort des Grauens gibt es heute nur eine grüne Wiese und ein schlichtes Denkmal. Dennoch zieht er unzählige Schaulustige an. Seit zwei Jahren veranstaltet Sieglinde Schäffler aus Waidhofen gar Fackel- und Laternenwanderungen nach Hinterkaifeck. "Wir haben meistens 30 Leute und könnten jedes Mal mehr mitnehmen", sagt Schäffler. "Die Leute kommen bis aus München und Nürnberg."

Die Mordopfer liegen heute auf dem Friedhof von Waidhofen - ohne Köpfe. Die Polizei hatte die Schädel zu Ermittlungszwecken abgetrennt und dabei auch zu einer Wahrsagerin gebracht. Wo die Köpfe heute sind, weiß kein Mensch.