Mitten in  Würzburg Raffinessen der Strukturpolitik

Die alte Mozartschule in Würzburg ist den Stadtoberen ein Dorn im Auge. Am liebsten würde man sie abreißen lassen. Doch da gibt es nun eine noch bessere Idee

Von Katja Auer

Stehen zurzeit die Umzugslaster vor einem größeren Gebäude im Freistaat, denkt man ja sofort an eine strukturpolitische Hilfsmaßnahme. Damit das Bayernland weiter blühe, werden dem Plan des Heimatministers zufolge Behörden überall dahin verlagert, wo es sonst zu veröden droht. Deswegen zieht das Landesamt für Statistik schon seit ein paar Jahren von München nach Fürth um, und deswegen soll zum Beispiel das Staatsarchiv aus Würzburg nach Kitzingen verlagert werden, auch wenn das ein Schmarrn ist.

In Würzburg wird in der Festung Marienberg dann Platz für ein neues fränkisches Landesmuseum, was schon der Gerechtigkeit wegen eine gute Idee ist, weil schließlich bald in Regensburg ein bayerisches Landesmuseum eröffnet wird. Das hätten die Würzburger auch gerne gehabt, aber die Macher bauen lieber was Neues, als dass sie in die alte Mozartschule ziehen. Dieser Bau, genannt Moz, ist wirklich charmant in seiner Fünfzigerjahre-Nachkriegsmoderne, aber seit das städtische Gymnasium 2001 dort ausgezogen ist, wird gestritten, was daraus werden soll. Momentan ist ein Kino drin, das bald anderswo Filme zeigt, und die Yoga- und Musikstunden, die abgehalten werden, ergeben auch noch kein rundum zufriedenstellendes Konzept.

Der Oberbürgermeister würde die Mozartschule am liebsten abreißen, Denkmalschutz hin oder her, um Platz für Wohnungen, Hotels und Geschäfte mitten in der Stadt zu schaffen. Das allerdings verhinderte ein Bürgerbegehren, gestartet von einer Initiative, die den Bau für Kunst und Kultur erhalten will.

Ein Museum wurde also diskutiert, wenn nicht das für bayerische Geschichte, dann wenigstens eins für die Würzburger Stadtgeschichte. Flüchtlinge wollten die einen unterbringen, die anderen Räume für die Hochschulen. Nun kursiert eine neue Variante: Das evangelische Dag-Hammarskjöld-Gymnasium hat Interesse bekundet. Diese Schule entstand aus dem Mozart-Gymnasium und dem Schönborn-Gymnasium, die 2001 zusammengelegt wurden. 2011 übernahm die evangelische Kirche die Trägerschaft und benannte sie um. Funktioniert der Plan, würde das Moz zurück ins Moz ziehen. Ganz schön ausgeklügelt, diese Würzburger Strukturpolitik.