Mitten in Regensburg:Champagner oder nichts

Mitten in Regensburg gilt zuweilen noch die Ständeordnung. Die Fürstin lädt aufs Schloss, der Klerus kommt - und kritisiert den zynisch modernen Lebensstil

Von Andreas Glas

Kardinal Gerhard Ludwig Müller war also mal wieder zu Gast in Regensburg, seinem früheren Arbeitsplatz. Und weil die Ständeordnung in Regensburg noch gepflegt wird, lud Gloria von Thurn und Taxis den Kardinal auf ihr Schloss Sankt Emmeram. Der Anlass für die feudale Einladung: Müllers guineischer Kardinalskollege Robert Sarah stellte sein neues Buch vor. Der Buchtitel: "Gott oder nichts". Und weil sich ein Buch erfahrungsgemäß besser verkauft, wenn es prominent beworben wird, hat die klerikale PR-Abteilung gleich den obersten Glaubenswächter der katholischen Kirche nach Regensburg geschickt. Und der heißt ja seit zwei Jahren Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Passend zum Buchtitel hieß das Motto der klerikalen PR-Abteilung also: Müller oder nichts.

Man sollte erwähnen, dass in diesen Tagen auch ein anderer Kardinalskollege sein neues Buch veröffentlicht hat. Kardinal Reinhard Marx nämlich, der als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ebenfalls zu den obersten Glaubenswächtern gehört, worauf man Kardinal Müller in diesen Tagen aber besser nicht ansprechen sollte. In Regensburg sagte Kardinal Müller über Kardinal Marx, er verbreite "ein Klima des deutschen Führungsanspruchs für die ganze Weltkirche". Was Müller damit sagen will: Den Ton gibt immer noch der oberste aller Glaubenswächter an und der oberste aller Glaubenswächter bin immer noch ich. Auf Schloss Emmeram haute Müller also drauf auf den Kollegen Marx, der seit einiger Zeit fordert, die Kirche solle etwas milder mit Geschiedenen umgehen. Solche Forderungen machen Kardinal Müller Angst, er warnte in Regensburg vor dem "Schalwerden des Christentums in Deutschland".

Immerhin: Dass der Champagner schal wird, das musste Kardinal Müller auf Sankt Emmeram nicht fürchten, darum bemühte sich das behandschuhte Hofpersonal der Fürstin. Und nachdem Müller in seiner Rede noch klar gestellt hatte, dass der "zynisch-mondäne Lebensstil" Europas nicht als Vorbild für den Rest der Welt tauge, reichte das Hofpersonal Zigarren zum Cognac. Die klerikale PR-Abteilung, das ist die Erkenntnis des Abends, hat mal wieder große Arbeit geleistet.

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