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Mitten in Bayern :Lasst die Glocken läuten!

Glockengeläut gehört zu Bayern wie Kühe und die CSU. Aber immer wieder gibt es Beschwerden. In jüngster Zeit vor allem anonyme. Dabei gäbe es so einfache Mittel

Zu den bayerischen Konstanten gehört das Zwölfuhrläuten im Radio, auf Bayern 1. Immer sonntags, immer zur Mittagszeit bimmeln für fünf Minuten irgendwelche Kirchenglocken irgendeiner bayerischen Ortschaft. Seit Jahrzehnten geht das so, das erste Radiogeläut kam 1949 aus Sankt Englmar in Niederbayern. Laut Bayern 1 sind die Kirchenglocken "die akustischen Visitenkarten" der bayerischen Städte, Märkte und Dörfer. Und, auch das steht auf der Sender-Homepage: "Wer von Glocken erzählt, erzählt immer auch von Menschen-Geschichte."

Von Menschen erzählen dann auch die jüngsten Glockengeschichten aus Grabenstätt am Chiemsee und Regen im Bayerischen Wald. Von sehr empfindlichen Menschen, um genau zu sein. Man kann ja inzwischen die Kirchturmuhr danach stellen, dass sich wieder irgendwer in irgendeinem bayerischen Ort über das Kirchengeläut beschwert. Das gab es in den vergangenen Jahren immer mal wieder. Neu ist dagegen, dass die Beschwerdeführer zwar ihre Beschwerde, nicht aber ihre Namen an die große Glocke hängen. In Grabenstätt und Regen steckten die Klagen in anonymen Briefen. "Menschenunwürdig" nannte der Grabenstätter Anonymus das "Sturmgeläut" an Heiligabend in seinem Schreiben an die Ortskirche und an den Bürgermeister. "Das ist kein lebenswertes Leben mehr", auch das schrieb der Unbekannte, der ansonsten ganz bestimmt ein ganz lebensbejahender Mensch ist. In Regen waren es gleich mehrere Unbekannte, die sich beim Bischof und der Landrätin über den nächtlichen Stundenschlag empörten, ebenfalls per Brief.

Man könnte jetzt einfach die Ohren taub stellen für die anonymen Beschwerdebriefschreiber. Oder man schreibt selbst einen Beschwerdebrief, was an dieser Stelle geschehen soll, und zwar ganz unanonym und unfeige, mit vollem Namen (siehe oben). Also: Sehr geehrte Glockengeläutstänkerinnen und Glockengeläutstänkerer, schon mal drüber nachgedacht, dass ihr die eigentlichen Ruhestörer sein könntet? Schon mal was von Ohrstöpseln gehört? Gibt es im Supermarkt, für kleines Geld, in der Online-Apotheke sogar noch billiger, acht Stück für 1,67 Euro. Einfach reindrehen, dann habt ihr Ruhe. Und wir auch.

© SZ vom 17.01.2020
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