Legendäre Verbrecher Mörder-Duo von der Hallertau

Schon im 19. Jahrhundert ließ sich in der Hallertau mit Hopfen gutes Geld verdienen.

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Sie rauften, wilderten, raubten und töteten: Ferdinand Gump und Eduard Gänswürger verbreiteten im 19. Jahrhundert Angst und Schrecken in der Hallertau - aus ihrer Geschichte wurden fantasievolle Legenden, schauderhafte Erzählungen und düstere Lieder.

Von Wolfgang Wittl, Mainburg

So einen Ansturm wie an diesem Tag hatte das Waffengeschäft in Mainburg noch nicht erlebt. Obwohl schon der Advent angebrochen war, und damit die Zeit des Friedens, gab es kein Halten mehr. Pistolen, Gewehre, Munition - binnen Minuten war der Waffenladen im Herzen der Hallertau leergekauft. Der Grund: blanke Panik. In Windeseile hatte sich im Ort herumgesprochen, was kurz zuvor wenige Kilometer entfernt geschehen war. Zwei Bauern, die auf dem Weg zum großen Viehmarkt waren, wurden brutal ermordet. Rücksichtslos niedergeschossen und ihrer Barschaft beraubt. Jeder, der sich wieder auf den Heimweg machte, wollte wenigstens bewaffnet sein. Es war der 11. Dezember 1872. Der Tag, an dem die Legende von Gump und Gänswürger begann.

Die Erzählungen von dem Raubmörder-Duo haben bis heute überdauert. "Drah di ned um, da Gump geht um." Oder die Mahnung von Eltern an ihre Kinder, dass einen der Gump hole, wenn man nicht endlich brav sei. Hanns Seidl, 62, kennt diese Sprüche gut. Als gebürtiger Mainburger hat er sie oft genug gehört, wie auch viele andere Anekdoten über die beiden Schurken. Welche davon wahr sind und welche nicht, ist schwer zu sagen. Seidl hat ihnen nachgespürt, er hat sogar ein kurzes Theaterstück über die Räuber verfasst, über die in nahezu jedem Ort der Hallertau spektakuläre Geschichten kursieren. Und die bunter und bunter werden, je öfter man sie hört.

Ferdinand Gump wurde nach seiner Verhaftung in Fußfesseln nach München gebracht. Seinen Komplizen Eduard Gänswürger (2. Bild) hatte er hinterrücks erschossen.

(Foto: Staatsarchiv Augsburg)

Zwei üble Gesellen in der Hallertau

Verbürgt ist: Ferdinand Gump und Eduard Gänswürger waren zwei üble Gesellen, die geraubt und gemordet haben. Sie stammten aus dem Donaumoos südlich von Ingolstadt, ihren Schrecken verbreiteten sie allerdings in der benachbarten Hallertau. Als Gänswürger (1843) und Gump (1844) zur Welt kamen, zählte das Donaumoos zu den ärmsten Gegenden Bayerns. Kolonisten waren in der sumpfigen Landschaft angesiedelt worden, um den Boden zu entwässern und ihm mit harter Arbeit ein paar Früchte abzuringen.

Der Hallertau, Jahrzehnte zuvor ebenfalls noch ein Armenhaus Bayerns, ging es da bereits besser. Von 1850 an begann der Hopfenanbau zu florieren, bald wurden für einen Zentner Hopfen bis zu 200 Gulden bezahlt. Zum Vergleich: Ein Taglöhner verdiente zwei Gulden im Monat. Hopfenbauern waren reich und mächtig - und lockten allerhand lichtscheues Gesindel an. Ganoven wie Gump und Gänswürger.

Beide kannten sich von der Schule, absolvierten zusammen eine Zimmererlehre und gerieten gemeinsam auf die schiefe Bahn. Zunächst machten sie sich einen Namen als Wilderer, Diebe und Raufbolde, wofür sie ins Zuchthaus kamen. Als Schreckensduo vereint zogen sie aber erst nach Gumps Entlassung sowie Gänswürgers Flucht aus dem Gefängnis durchs Land. Fortan stand Viehdiebstahl auf der Tagesordnung, Einbrüche und bald auch bewaffneter Überfall. Wie viele Menschen damals träumten Gump und Gänswürger vom Auswandern in die Vereinigten Staaten, und ein bisschen etwas hatte ja auch die Hallertau des 19. Jahrhunderts vom Wilden Westen. Als Anziehungspunkt für Pferdediebe war sie früher verniedlichend als "Schelmenland" bekannt. Gump und Gänswürger waren noch mal eine andere Kategorie.

Mord und Totschlag

Im Oktober 1872, knapp zehn Jahre vor der Schießerei der Earps und Clantons am O. K. Corral, überfielen Gump und Gänswürger mit ihren Kumpanen einen Einödhof in der Nähe Volkenschwands bei Mainburg. Zu ihrem Erstaunen holten sie sich eine blutige Nase, denn der Bauer und seine Knechte feuerten zurück. 300 Schüsse sollen in jener Nacht gefallen sein, berichtet Hans Fegert in seinem Buch über die beiden Räuber. Vor allem Gänswürger fühlte sich von da an erst recht angestachelt.

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Heute müsse noch einer dran glauben, soll Gänswürger am 11. Dezember 1872 getönt haben. Zusammen mit einer weiteren zwielichtigen Gestalt namens Johann Faltermeier hatten die beiden Gauner mehrere Flaschen Wein und Bier getrunken, als sie auf die Straße zogen, die zahlreiche Menschen zum Viehmarkt nach Mainburg führte. Bei Meilenhofen brach sich die Brutalität dann Bahn: Gänswürger schoss zwei Bauern aus nächster Nähe über den Haufen. Ihres Mittäters Faltermeier entledigten sich Gump und Gänswürger - wohl im Streit um die Beute - sofort in einem nahen Wald. Seine Leiche wurde erst Monate später gefunden. Es war der dritte von insgesamt sechs Toten. Zwei Monate später erschoss Gump seinen Komplizen Gänswürger bei Manching von hinten, um die Welt vom Scheusale zu befreien, wie er sagte. Wahrscheinlicher ist, dass sie um eine der Frauen stritten, mit denen sie schlampige Verhältnisse pflegten: Erst tags zuvor hatte einer der beiden die Krämersfrau Margarethe Kufer in Karlskron ermordet.

Erst nachdem Gump auch noch einen Polizisten getötet hatte, wurde er am 4. Juni 1873 in Wolnzach gefasst. Bevor ihn das Todesurteil ereilte, starb er fünf Monate später in Münchner Haft an Schwindsucht. Weder Gump noch Gänswürger erreichten das 30. Lebensjahr, doch in Geschichten und Liedern leben sie bis heute fort.

Wir bedanken uns bei Hanns Seidl aus Mainburg für den Tipp.

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