Landesregierung Becksteins verstolperter Start

Das Amt verändert den Politiker. Doch während sich der Sprung an die Spitze bei Merkel, Kohl und sogar Stoiber positiv auswirkte, scheint bei Beckstein das Gegenteil der Fall zu sein.

Ein Kommentar von Peter Fahrenholz

Dass das Amt den Mann verändert, der es innehat (und natürlich auch die Frau), lässt sich in der Politik mit vielen Beispielen belegen. Als Helmut Kohl Oppositionsführer in Bonn war, wurde er auch in den eigenen Reihen als unbeholfener Provinzler belächelt.

Günther Beckstein: Als Innenminister beliebt - doch als Ministerpräsident überfordert?

(Foto: Foto: dpa)

Als Kanzler hat dann ein einziger Satz von ihm genügt, um Karrieren zu befördern oder zu beenden. Bei Angela Merkel war es ähnlich. "Die kann es nicht" würden ihre parteiinternen Kritiker heute wahrscheinlich noch nicht einmal mehr denken.

Edmund Stoiber verkörperte als Generalsekretär alles, weswegen man Generalsekretäre von Parteien gemeinhin grässlich findet. Später, als Ministerpräsident, war er zwar nicht der gütige Landesvater, aber ein formidabler Vorstandsvorsitzender der Bayern AG.

Bei Günther Beckstein scheint das neue Amt eine Metamorphose in umgekehrter Richtung auszulösen, der Mann wächst an seiner neuen Aufgabe augenscheinlich nicht, sondern wirkt von ihr wie gelähmt. Als Innenminister war Beckstein klar und zupackend.

Lieber harter Hund als Weichei, war seine Devise. Seit er Ministerpräsident ist, löst Beckstein eher die Sorge aus, ob sich da ein netter älterer Herr nicht etwas zu viel aufgebürdet hat. Es steigen Erinnerungen an Max Streibl auf. Der war als Finanzminister unangefochten und später als Ministerpräsident überfordert. Und auch Streibl war damals mit einer Menge Vorschusslorbeeren ins Amt gelangt, die dann schnell verwelkten.

Das könnte auch Beckstein passieren, wenn er nicht rasch die Kurve kriegt. Seinen Start hat er gründlich verstolpert. Erst eine Kabinettsbildung mit rätselhaften Berufungen, die die Leistungsträger in der CSU-Fraktion nachhaltig verärgert hat. Dann eine saft- und kraftlose Regierungserklärung ohne jede Vision. Und in der Tagespolitik laviert er auf erschreckende Weise.

Das von der CSU beschlossene Rauchverbot findet er eigentlich zu scharf, aber ändern will er es auch nicht mehr. Dafür soll es nur ganz milde Repressionen für Rauchsünder geben, was sich speziell aus Becksteins Mund eher ungewohnt anhört. Mit dem Mindestlohn sympathisiert Beckstein irgendwie, aber offen dafür ist er auch nicht.

Sollte es Becksteins Strategie sein, es bis zur Landtagswahl im nächsten Jahr allen recht zu machen, um damit ein gutes Wahlergebnis zu erzielen und dann erst mit dem Regieren anzufangen, wäre das eine gefährliche Strategie. Schon Franz Josef Strauß hat gewusst: Wer "Everybody's Darling" sein will, ist schnell "Everybody's Depp".