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Kommunalwahlen in Bayern:Zwei Startbahn-Gegner siegen in Freising

Christian Magerl (Grüne) und Michael Schwaiger (FW) gehen in Stichwahl um Nachfolge Manfred Pointners.

Sabine Reithmaier

Drei Stichwahlen und vier Landräte, die ihren Posten verteidigt haben: Das ist der Ergebnis des Wahlabends in der Region um München. Im Freisinger Landratsamt blieb es bis zur letzten Sekunde spannend. Zwar ist noch nicht klar, wer neuer Freisinger Landrat wird, aber Christian Magerl und Michael Schwaiger, zwei erklärte Gegner der dritten Startbahn, fielen sich erleichtert in die Arme, als die letzte Gemeinde im Landkreis Freising ausgezählt war.

3. Startbahn München, dpa
(Foto: Foto: dpa)

Der grüne Landtagsabgeordnete und der Marzlinger Bürgermeister (Freie Wähler) ziehen mit 26,7 Prozent und 27,6 in die Stichwahl um die Nachfolge von Manfred Pointner (CSU).

"Das ist ein Riesenergebnis, vor allem vor dem Hintergrund der enormen Verluste der CSU", freute sich Magerl. "Eines kann man jetzt schon sagen. Die dritte Startbahn ist heute hier draußen definitiv abgewählt worden." Fast verblüfft über seinen Erfolg wirkte Michael Schwaiger. Mit der Konstellation habe niemand gerechnet, sagte er. Er wertete den Wahlausgang als deutliches Zeichen, im Kampf gegen die dritte Startbahn weiterzumachen und als eine "gewaltige Ohrfeige" für die Politik in der Region.

Der CSU-Kandidat Josef Riemensberger erklärte sich seine mageren 24 Prozent mit der aufgeheizten Stimmung im Landkreis, die in einen Wahlkampf ohne Sachthemen gemündet sei.

Einbußen der CSU-Landräte

Ebenfalls noch nicht entschieden ist das Rennen um die Nachfolge des Starnberger Landrats Heinrich Frey (CSU). Karl Roth (CSU) muss gegen Tim Weidner (SPD) in einer für das Fünfseenland ungewöhnlichen Stichwahl antreten. Weidner erzielte zwar nur 16,38 Prozent, aber vor ihm hatte es noch nie ein Sozialdemokrat so weit geschafft.

Ausschlaggebend dürfte die Diskussion um den Ausbau des Flughafens Oberpfaffenhofen gewesen sein. Die CSU hatte bis kurz vor der Wahl für die Erweiterung plädiert und sich damit viel Unmut zugezogen.

Auch in Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es noch keinen neuen Landrat. Martin Bachhuber (CSU) erhielt 43 Prozent der Stimmen, ein denkbar schlechtes Ergebnis im Landkreis Edmund Stoibers, in dem die CSU bei Landratswahlen bislang immer über 50 Prozent lag. Bachhuber, bislang Bürgermeister in Bad Heilbrunn, geht in die Stichwahl gegen den Tölzer Bürgermeister Josef Niedermaier (Freie Wähler), der 27 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Ihren Landratsposten verteidigt haben die CSU-Politiker Hansjörg Christmann (53,07 Prozent Landkreis Dachau), Thomas Karmasin (Landkreis Fürstenfeldbruck), Gottlieb Fauth (Ebersberg) und Martin Bayerstorfer (Landkreis Erding). Allerdings musste Christmann, mit 31 Amtsjahren der dienstälteste Landrat in der Region, 13 Prozentpunkte abgeben und sich mit knapp 54 Prozent zufriedengeben. Fauth rutschte von 59,3 auf 52,8 ab, während es den Grünen in seinem Landkreis gelang, ihr Ergebnis zu verdoppeln. Karmasin erzielte mit 52,6 Prozent ebenfalls ein deutlich schlechteres Ergebnis als 2002.

Überraschungen boten auch die Bürgermeisterwahlen. Abtreten muss Wolfratshausens Rathauschef Reiner Berchtold (SPD). Mit knapp 28 Prozent schaffte es der 53-Jährige nicht einmal in die Stichwahl, die seine Herausforderer Richard Kugler (parteifrei, CSU) und Helmut Forster (Bürgervereinigung) bestreiten. "Das ist ein großer Erfolg für uns", sagte Kugler, ein Spenglermeister, der über keinerlei politische Erfahrung verfügt, dafür aber Chef der lokalen Kultband G-mahde Wiesn ist.

Ganz knapp geschafft hat es Sepp Kellerer. Mit 50,04 Prozent gelang es ihm, als Oberbürgermeister von Fürstenfeldbruck im Amt zu bleiben. In Germering dagegen muss der Favorit Andreas Haas (CSU) gegen Tobias Utikal (SPD) in die Stichwahl ziehen. In Gröbenzell bleibt Amtsinhaber Dieter Rubenbauer (CSU) - ihm fehlten rund 35 Stimmen - nichts anderes übrig, als in zwei Wochen nochmal gegen Franz Eichiner (SPD) anzutreten.

Überraschend in die Stichwahl muss Dachaus CSU-Oberbürgermeister Peter Bürgel. Vor fünf Jahren hatte er die Wahlwiederholung klar gewonnen, die wegen massiver Wahlfälschungen notwendig geworden war. Sein Konkurrent am 16.März ist der SPD-Politiker Volker C. Koch.

Die Entscheidung, wer die Nachfolge von Karl-Heinz Bauernfeind in Erding antritt, ist ebenfalls vertagt: Mit 48,33 Prozent blieb der CSU-Kandidat Max Gotz knapp unter 50 Prozent. Sein Konkurrent ist Rainer Mehringer von der UWE. Dass der Starnberger Wahlkampf in eine Verlängerung gehen würde, war bei sechs Kandidaten zu erwarten, wer die Protagonisten sein werden nur bedingt. Denn nicht etwa Eva John von der CSU zwingt Rathauschef Ferdinand Pfaffinger (UWG) in die Stichwahl, sondern Christian Vell (BLS/WPS).

© SZ vom 03.03.2008/bica
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