Kommentar:Ein logischer Schritt

Neu-Ulm ist zu groß für den Landkreis geworden

Von Christian Sebald

Man kann den Neu-Ulmer Landrat Thorsten Freudenberger verstehen. Auch unter Kommunen tut eine Trennung weh, selbst wenn das Bestreben des vormaligen Partners groß ist, sie möglichst einvernehmlich zu gestalten. Aber der Austritt der Stadt Neu-Ulm aus dem Landkreis Neu-Ulm ist ein logischer Schritt. Und zwar nicht nur, weil die Stadt bereits bis zur Landkreisgebietsreform 1972, also bis vor 45 Jahren, kreisfrei war. Sondern wegen der ungeheuren Entwicklung, die sie seit vielen Jahren hinlegt. In allen wichtigen Kennziffern - Bevölkerung, Wirtschaftskraft, Arbeitslosigkeit - ist Neu-Ulm auf Augenhöhe mit dem oberbayerischen Rosenheim. Der Unterschied: Rosenheim ist seit jeher kreisfrei. Es gibt sogar viele kreisfreie Städte, die mit Neu-Ulm nicht mithalten können. Das oberpfälzische Amberg etwa ist sehr viel kleiner und hat eine doppelt so hohe Arbeitslosenquote. Staatsregierung und Landtag werden Neu-Ulm die Kreisfreiheit also nicht verwehren können.

Zumal der Landkreis Neu-Ulm nicht befürchten muss, dann in die Bedeutungslosigkeit zu stürzen. Ohne seine Große Kreisstadt zählt er immer noch 110 000 Einwohner, das sind 30 000 mehr als die Mindestgröße für Landkreise in Bayern. Und wirtschaftlich ist er auch ohne Neu-Ulm so gut aufgestellt, dass er weiter gut mithalten kann im Konzert der bayerischen Regionen. Schon gar nicht taugen die Neu-Ulmer Unabhängigkeitsbestrebungen als Präzedenzfall für andere Landkreise im Freistaat. Der Grund: Es gibt keine zweite Große Kreisstadt, die in einer vergleichbaren Situation ist wie Neu-Ulm.

Der Neu-Ulmer Landrat Freudenberger und die anderen Lokalpolitiker in seinem Landkreis sind also gut beraten, möglichst wenig Wirbel um die Trennungsbestrebungen ihrer Großen Kreisstadt zu machen. Sie müssen ja danach noch gut miteinander weiterleben und auskommen.

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