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Kliniken in Bayern:Krankenhäusern droht finanzielle Schieflage

  • Viele Kliniken in Bayern rechnen mit einem defizitären Betriebsergebnis - und dass diese finanzielle Schieflage anhalten könnte.
  • Für die Krankenhaus-Mitarbeiter könnte dadurch die Arbeitsbelastung steigen, fürchten die Grünen im Landtag. Das könnte sich dann auch auf die Patienten auswirken.

Von Dietrich Mittler

Bayerns Krankenhäuser geraten zunehmend in eine finanzielle Schieflage. Nach Angaben der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) rechnen mittlerweile bereits 52 Prozent der Klinikmanager im Freistaat für das Jahr 2015 mit einem defizitären Betriebsergebnis. Nur 27 Prozent von ihnen gehen noch davon aus, Gewinne zu erzielen. Nach Einschätzung von BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein droht die negative Einnahme-Situation vieler Klinken chronische Züge anzunehmen.

Grüne fürchten steigende Arbeitsbelastung

Die Grünen im Landtag teilen diese Einschätzung. Sie befürchten, dass die anhaltend defizitäre Lage vieler Kliniken die dort beschäftigten Mitarbeiter unter Druck setze - vor allem, weil die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte und Ärzte durch die finanziell gebotene Personalverdichtung stetig steige. "Das bekommen die Patientinnen und Patienten zu spüren", warnt Ulli Leiner, der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen. "Mit überlastetem und immer öfter gehetztem Personal steigen die Risiken wie Behandlungsfehler oder postoperative Infektionen."

In den zurückliegenden beiden Jahren hat sich die Situation der Krankenhäuser trotz einiger Hilfspakete, welche die Bundesregierung im Frühjahr 2013 beschloss, nicht verbessert. Wie der jüngste "Bayerische Krankenhaustrend" - basierend auf einer Umfrage unter Klinikmanagern - bestätigt, wies auch 2014 fast jede zweite Klinik im Freistaat ein Defizit aus.

Fördermittel des Freistaats reichen nicht mehr aus

Einen wesentlichen Grund für die angespannte Situation vieler Kliniken sieht BKG-Geschäftsführer Hasenbein darin, dass die Fördermittel des Freistaates nicht mehr ausreichten, um alle notwendigen Investitionen zu unterstützen. "Die Häuser müssen das in immer größerem Umfang aus Eigenmitteln bestreiten", sagte er.

Auch die Landtags-Grünen gehen davon aus, dass die Zuschüsse in Höhe von 500 Millionen Euro im Jahr nicht mehr genügen, um Bayerns Klinken zu helfen. Indes müsse die Verteilung der Mittel überdacht werden. "Es ist nicht damit getan, zusätzliches Geld nach dem Gießkannenprinzip in den stationären Sektor zu leiten", sagte Ulli Leiner. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) weist das entschieden zurück: "Der Vorwurf einer nicht auskömmlichen staatlichen Förderung geht ins Leere." 500 Millionen Euro jährlich reichten voll aus.

© SZ vom 02.04.2015/infu
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