Junggesellinnenabschiede Striptease, Schnaps und Stretchlimo

Junge Frauen im Häschenkostüm gehören nicht nur in München zum Stadtbild. Geschäftsleute haben im Trend zum exzessiv zelebrierten Junggesellinnenabschied eine Marktlücke entdeckt. Sie bieten Limousinenservice, Nachtklub-Hopping und noch so einiges mehr.

Von Charlotte Theile

Sie sind laut, ziemlich betrunken und auf den ersten Blick unglaublich peinlich. Doch hier, in quasi natürlicher Umgebung, fallen sie gar nicht auf. Junge Frauen mit Bauchladen und Teufelshörnchen, die Passanten überreden, ihnen Kondome abzukaufen oder Männern die Schildchen aus den Boxershorts schneiden, sind im NV Club, nicht weit vom Münchner Odeonsplatz, ganz normale Gäste.

Der Dresscode ist mitunter gewöhnungsbedürftig, das Feierverhalten ebenso - aber ausufernde Junggesellinnenabschiede sind angesagt.

(Foto: Reuters)

So viele wie dieses Jahr gab es aber noch nie. Das sagen alle, die an diesem Samstag hier feiern. Motto-Shirts mit Handschellen darauf, Army-Uniformen und pinke Hawaiiketten dominieren das Bild. In einer Ecke wird einem Mann von seiner zukünftigen Ehefrau die Brust enthaart, sieben Smartphones filmen das Geschehen.

Am Eingang steht Felix Nunn, 23, er hat ein orangefarbenes T-Shirt an, um ihn herum steht eine Gruppe nüchterner, sehr junger Leute, auch sie in Orange. Felix ist im Stress. Alle zwei Minuten klingelt sein Handy, Dutzende abgegriffene Zettel mit Buchungsnummern darauf fallen ihm jedes Mal fast aus der Hand. Dass Felix so gefragt ist, hat einen einfachen Grund. Er hat erkannt, dass sich mit Junggesellen und Junggesellinnen richtig Geld verdienen lässt und dass die Trauzeugen, die traditionell den letzten Abend in Freiheit ausrichten, mit der Organisation zunehmend überlastet sind. Eine echte Marktlücke.

Dass Felix sie entdeckt hat, war Zufall. Vor etwas mehr als zwei Jahren gründete er mit einem Freund eine Firma namens Pub Crawl Munich. Die beiden hatten einen Bericht über Pub Crawls in Berlin und London gesehen und wollten in das Geschäft mit den organisierten Kneipentouren einsteigen. Sie sprachen mit Klubbesitzern, mit Partybus-Unternehmern, legten ihre orangefarbenen Flyer in Hostels aus - und das Geschäft lief. Aber es lief langsam. Einige Touristen kamen zum Pub Crawling ("crawl" heißt übersetzt übrigens kriechen), aber nie so viele, dass man von ihnen leben konnte.

Seit einem Jahr bietet die Firma jetzt Abschiedsfeiern für Junggesellinnen und Junggesellen an. Seither hat sich der Umsatz vervielfacht. Die Zahl ist so hoch, dass Felix sie nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Trauzeugen buchen am liebsten das Rundum-Sorglos-Paket. Mit seinen mittlerweile 15 Angestellten sorgt Felix dann dafür, dass alles nach Plan läuft. Jeder Abend beginnt im NV Club, allein sechs solcher Gruppen sind es an diesem Samstagabend. Sie trinken an reservierten Tischen, der erste Schnaps ist frei. Später geht es mit dem Party-Bus oder einer Limousine zur Kultfabrik, dem Diskotheken-Park im Münchner Osten. Hier stehen noch mal mindestens zwei Klubs auf der Liste, gern mit Table Dance.

4713 Ehen wurden 2011 in München geschlossen, dieses Jahr wird es ähnlich sein, allein im August heirateten 542 Paare. Das sind aber nicht unbedingt diejenigen, die in der Fußgängerzone anzutreffen sind. Den Junggesellinnenabschied feiern viele einige hundert Kilometer weit weg von daheim - und als Ausflugsziel steht München hoch im Kurs. Daher gehören die jungen Frauen mit den Bauchläden inzwischen zum Sommer wie die Rikscha-Fahrer am Marienplatz und die Slacklines im Englischen Garten - fast scheint es, als würden es jedes Wochenende mehr.