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Doppel-Überfall in Bad Reichenhall:Mann auf offener Straße getötet

In der WM-Nacht erschlägt ein Unbekannter im oberbayerischen Bad Reichenhall einen Mann und verletzt eine Frau schwer. Die Opfer wählt er offenbar zufällig aus.

Von Heiner Effern, Bad Reichenhall

Bei zwei Überfällen in Bad Reichenhall sind auf offener Straße ein Mann getötet und eine Frau schwer verletzt worden. In der Nacht auf Montag hat ein Passant gegen drei Uhr einen 73 Jahre alten Mann im Zentrum der Kurstadt gefunden. Noch bevor der Notarzt eintraf, erlag er seinen schweren Kopfverletzungen. Eine Viertelstunde später bat eine 17 Jahre alte Frau nur wenige Straßen vom ersten Tatort entfernt um Hilfe. Sie sei überfallen worden. Rettungskräfte brachten die junge Frau offenbar mit schweren Schnittverletzungen ins Krankenhaus von Bad Reichenhall.

Die Opfer kannten sich nicht

Polizisten in Bayern und im nahen Salzburg leiteten am Montagmorgen eine Großfahndung ein. Sie hatten von Zeugen eine flüchtige Beschreibung des mutmaßlichen Täters: Es soll sich um einen schlanken, jungen Mann handeln, der nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd eine dunkle Hose, ein schwarzes Kapuzenshirt und Schuhe mit hellen Streifen getragen habe. Des weiteren suchen die Ermittler Zeugen, die den Mann in der Nacht der WM-Feier in Bad Reichenhall gesehen haben.

Die beiden Opfer stammten aus der Region, hätten sich nicht gekannt und stünden in keinem Zusammenhang miteinander, sagte ein Polizeisprecher. Wahrscheinlich seien sie zufällig ausgewählt worden. Als Motiv vermutet die Polizei Raub: Die Geldbörsen der Überfallenen fehlen ebenso wie die Handtasche der Frau.

Ein Fußball-Fan, der nach der WM-Feier nach Hause ging, fand gegen drei Uhr den blutüberströmten Mann vor einem Lokal. Er konnte aber ebenso wie die Rettungskräfte nichts mehr für ihn tun. Mit welchem Gegenstand auf den Mann eingeschlagen wurde und ob der Täter auch bei ihm ein Messer benutzte, konnte der Polizeisprecher nicht sagen. Er schloss lediglich aus, dass auf das Opfer geschossen wurde. Vermutlich lag der Mann nur kurze Zeit vor dem Bräustüberl. "Es waren noch viele Leute unterwegs, deshalb hoffen wir auf weitere Zeugen."

Die junge Frau konnte mit letzter Kraft Hilfe holen. Unklar blieb, ob sie per Handy einen Bekannten alarmierte oder am mutmaßlichen Tatort an der Berchtesgadener Straße Anwohner auf sich aufmerksam machte. Sie wurde am Montagmorgen wegen ihrer schweren Verletzungen in die Intensivstation einer Salzburger Klinik verlegt. Am Nachmittag erklärte die Polizei, sie schwebe nicht mehr in Lebensgefahr.

Nach dem Täter wird noch gefahndet

Bis in den späten Montagvormittag sicherten Beamte Spuren im Zentrum von Bad Reichenhall. Die beiden Stellen, an denen die Opfer gefunden wurden, blieben abgesperrt. Auch das nähere Umfeld der mutmaßlichen Tatorte untersuchten die Ermittler. Spezialisten in weißen Anzügen durchwühlten Mülltonnen, zudem wurden ein Hubschrauber und ein Hund eingesetzt.

Auch die Berchtesgadener Straße, die als Bundesstraße 20 um den Stadtkern herumführt, sperrten die Ermittler. Doch bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe blieb der Täter verschwunden. Der Polizeisprecher schloss nicht aus, dass der Mann nach Österreich flüchtete. Deshalb seien die Behörden im Land Salzburg in die Fahndung eingebunden.

© SZ vom 15.07.2014/ahem
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