"Bunte": Coverstar Gabriele Pauli Eine Prinzessin der Presse

Einen Tag vor dem CSU-Parteitag gibt Gabriele Pauli in der Bunten noch mal die laszive Diva. Doch ihre Provokation verfängt nicht mehr - sie hat überreizt.

Von Bernd Oswald

Es ist ein gefundenes Fressen für ein People-Magazin: Die Lust der Möchtegern-CSU-Vorsitzenden Gabriele Pauli, Darstellerin zu sein. Rebellisch, unkonventionell, sexy will sie im Bewusstsein der Deutschen sein - und für diesen Zweck ist sich die Landrätin wirklich für keine Geschichte zu schade.

In eine bayerische Fahne gehüllt präsentiert sich Gabriele Pauli auf dem Titel der "Bunten".

(Foto: Foto: Bunte)

Der Latex-Handschuh-Auftritt vom Frühjahr im Magazin Park Avenue , den sie als sehr unsaft betextet ("St. Pauli") beurteilte, findet nun seine Fortsetzung in einem Open-Air-Fotoshooting für die auflagenstärkere Bunte: Gabriele Pauli in eine riesige bayerische Fahne gehüllt, mit strahlendem Lächeln, die Hand lasziv in die Hüfte gelegt, ganz die Diva.

Im zugehörigen Interview erklärt Pauli mit der ihr eigenen Sicht der Dinge, dass die Fotos für Freiheit, Lebensfreude, Ruhe und Kraft stünden. Sogar etwas Gottesbezogenes hätten sie, "weil der Himmel strahlend über mir steht".

Natürlich ist sie sich bewusst, dass diese Fotos zum Provozieren geeignet sind. Das ist die Absicht der fotogenen Gabriele Pauli uner dem weiten weiß-blauen Himmel. Im Interview stichelt sie: "Ach, der eine wird vielleicht sagen: 'Sie zeigt zu viel Schulter', der andere: 'Sie schwingt die Hüfte zu keck'". Kritik an derartigen Fotos käme nur von Männern, denen die Argumente ausgingen und die "meinen, ein Problem haben zu müssen, dass sie in optischer Sicht nicht mithalten können. Da ist auch Neid dabei."

Es sagt aber niemand, dass Frau Pauli zu viel Schulter zeige oder dass sie die Hüfte zu keck schwinge. Es sagt auch sonst niemand, dass er die Bilder provokant findet. Nicht mal in der noch immer gut konservativen CSU. Es ist den Leuten, den prominenten Parteimitgliedern zumal, einfach zu dumm geworden, die letzten Volten der publicity-bewussten CSU-Vorständlerin zu kommentieren. Sie strafen die 50-Jährige mit Nichtachtung. Das ist die Höchststrafe. Gabriele Pauli hat einfach überreizt.

Auch inhaltlich kommt: nichts. Aber das ist seit der Präsentation ihres "Programms", dessen prominenteste und beim Kabarettisten Erwin Pelzig geklaute Idee die Ehe auf Zeit war, auch keine Überraschung mehr. Schon gar nicht bei einem Interview in einem People-Magazin. Das wiederum hat seine helle Freude an der bayerischen Polit-Prinzessin und stellt sich gerne als Lokomotive für den Zug ins Nirgendwo zur Verfügung: "Eine starke Frau" titelt das Blatt: "Eine Frau wie ein frischer Wind", heißt es da. Und: "Eine fast märchenhafte Geschichte".

Dumm nur für die Bunte, dass dieses Märchen auf dem CSU-Parteitag am Samstag zu Ende geht. Aber vielleicht bekommt Gabriele Pauli ja einen Job als politische Kommentatorin.

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