Brauner Dachverband "Freies Netz Süd" Wie sich Verfassungsfeinde in Bayern organisieren

Der Name ist Programm: Beim "Freien Netz Süd" pflegen die aktiven gut 100 bis 150 Nazis und ihre bis zu 350 Sympathisanten ganz bewusst eine offene Struktur.

Von Frank Müller

Der Name der Neonazi-Vereinigung "Freies Netz Süd" ergibt durchaus Sinn: Anders als kaderartige, auf einen Führer ausgerichtete rechtsextreme Organisationen pflegen die im FNS aktiven gut 100 bis 150 Nazis und ihre bis zu 350 Sympathisanten ganz bewusst eine offene Struktur. Das macht nicht nur ein Verbotsverfahren schwieriger, sondern auch die Beobachtung, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Innenministeriums.

So fungiert das FNS als eine Art informeller Dachverband für kleinere Nazizusammenschlüsse in ganz Bayern. Schwerpunkt sind Franken und die Oberpfalz, die Gruppen tragen teils beschönigende, teils offen aggressive Namen wie "Bürgerinitiative Soziales Fürth", "Freie Nationalisten Hof" oder "Widerstand Regensburg-Cham". Mit dabei sind verurteilte Rechtsextremisten wie der wegen Volksverhetzung inhaftierte Matthias Fischer aus dem Nürnberger Raum oder der Rechtsterrorist Martin Wiese mit seiner "Kameradschaft Geisenhausen".

Das Freie Netz Süd selbst vernetzt diese Aktivitäten auf einer Internetseite, die sich als "Widerstandsportal für Bayern, Franken, Schwaben und die Oberpfalz" versteht. Dort finden sich Terminübersichten und Infomaterial, aber auch DVDs, Bekleidung und Accessoires wie Geldbeutel des Modells "Schlagring". Auch einschlägige Lektüre wird angeboten. Mit dabei: Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab".