Boom der Piratenpartei Laptop, Lederhosen und der bayerische Grant

In Wahrheit dagegen kann sich Körner für jeden Angriff auf die Piraten nur bedanken. "Welpenschutz" genieße man eigentlich wegen der politischen Unerfahrenheit, sagt er. Das soll heißen: Wer einem Welpen auf die Pfoten tritt, der macht sich angreifbar und bringt dem Attackierten Sympathiepunkte. Janecek dagegen hat die Piraten jetzt schon satt: "Ihre Meinungslosigkeit und Beliebigkeit bei politischen Inhalten wird mittlerweile leider erkennbar zur Masche. Zu viel Inszenierung, zu wenig Greifbares."

So oder ähnlich sehen das viele Etablierte. Noch gibt es keinen einzigen landespolitischen Vorschlag, mit dem die Piraten für Aufsehen gesorgt hätten. Die Arbeit am Wahlprogramm für 2013 läuft, auf Piratenweise. Über Internetkanäle wird ausgetauscht, diskutiert, am Ende in Form gebracht und im Herbst auf einem Parteitag beschlossen.

Große Offenbarungen wird das finale Programm wohl nicht enthalten, darauf komme es auch nicht an, meint Körner. Vor allem gehe es um den veränderten Politikstil, um Mitmachen und Transparenz. Außerdem solle man sich nicht täuschen lassen: Bei der künftigen Arbeit würden sich die Piraten im Maximilianeum ein Beispiel an den schon im Landesparlament sitzenden Berliner Kollegen nehmen. "Die arbeiten wirklich hart und sind in den Ausschüssen voll präsent", sagt Körner.

Der Zustrom zu den Piraten ist auch oder gerade deswegen ungebrochen. 6400 Mitglieder haben sie schon bayernweit, man sitzt bereits am Entwurf der Pressemitteilung für das Überschreiten der Marke von 7000. Nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen werde es soweit sein, sagt Körner nüchtern. Noch liegen die Grünen mit knapp über 8000 vorne. Doch der Aufstieg ging so schnell, dass sogar die Verwaltungssoftware streikte - ausgerechnet bei den Piraten. Seitdem haben sie Mühe, Mitgliedsbeiträge zu verbuchen, weswegen derzeit nur knapp 40 Prozent der eingeschriebenen Piraten überhaupt bezahlen. Bei Bezirksparteitagen wurde schon in bar abkassiert.

Überhaupt ist Bayern derzeit das Piratenland Nummer eins in Deutschland. In keinem anderen Flächenstaat ist der Anteil an der Bevölkerung höher. Körner führt das auch auf die CSU zurück und auf den alten Spruch von "Laptop und Lederhosen". In Bayern sei die Informationstechnologie stark entwickelt, das habe für viel Piratenpublikum gesorgt.

Vielleicht passt auch der schon berühmte ruppige Umgangston in der Partei ganz gut zum bayerischen Grant. Bei den ersten Tweets am Freitagmorgen musste sich Körner erst einmal mit Beschimpfungen eines Parteifreunds auseinandersetzen. Körner tat es mit Ironie: "Ist schon cool, wenn man morgens aufwacht und man als erstes in der TL (Timeline, Nachrichtenliste) als Vollidiot bezeichnet wird."