Bistum Augsburg Glocken verkünden die "frohe Botschaft"

In der katholischen Kirche reagiert man erfreut auf die Entscheidung des Papstes zur Mixa-Nachfolge. Doch bis Zdarsa nach Augsburg kommt, wird es noch dauern.

Eigentlich hätte die Personalie geheim bleiben sollen. Bis um 12 Uhr. Dann ertönen in Augsburg die Glocken des Doms. Und für die Gläubigen, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Kirche aufhalten, wird über Lautsprecher die Botschaft verkündet: der neue Augsburger Bischof steht fest.

Konrad Zdarsa wird neuer Bischof von Augsburg.

(Foto: ap)

Ein halbe Stunde später hält Diözesanadministrator Weihbischof Josef Grünwald im Haus St. Canisius direkt neben dem Bischofspalais ein weißes Blatt Papier in der Hand, einen Brief des apostolischen Nuntius. Er erhebt sich, um die acht Zeilen auf seinem Zettel vorzutragen und den Journalisten "die frohe Botschaft" mitzuteilen, die morgens schon in der Zeitung stand: Konrad Zdarsa tritt die Nachfolge von Walter Mixa an. Dafür habe "Seine Heiligkeit" Papst Benedikt XVI. den 66-Jährigen von Görlitz nach Augsburg "transferiert".

Grünwald, der die Amtsgeschäfte seit Mixas Rücktritt leitet, dankt dem Papst "für die ungewöhnlich rasche Wiederbesetzung" des Augsburger Bischofsstuhls. Das Bistum freue sich auf den neuen Oberhirten. "Wir wollen ihn mit offenem Herzen aufnehmen." Die Gläubigen wurden aufgerufen, dem neuen Oberhirten ihre Loyalität entgegenzubringen.

Seit drei Jahren ist der 66-jährige Zdarsa Bischof von Görlitz. Er soll den Graben zwischen den Gläubigen in Augsburg zuschütten, er soll Ruhe in die Diözese bringen, die nach den Skandalen um Walter Mixa tief zerstritten ist.

Dass die Herausforderungen für Zdarsa groß sind, das weiß man auch bei der Freisinger Bischofskonferenz. "Die überwältigende Mehrheit der Gläubigen und Priester im Bistum Augsburg wartet auf einen Bischof, der Mut macht zum Glauben und zum Leben in der Gemeinschaft des Volkes Gottes", sagte der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz und Münchner Erzbischof Reinhard Marx. "Ohne Zweifel ist diese Aufgabe besonders nach den Vorkommnissen und Diskussionen der letzten Monate eine große Herausforderung." Marx bescheinigte Zdarsa in einer Mitteilung, ein erfahrener Bischof zu sein.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, reagierte erfreut auf die Ernennung des Görlitzer Bischofs Konrad Zdarsa zum neuen Augsburger Oberhirten. In seinem Gratulationsschreiben an Zdarsa zeigte sich Zollitsch überzeugt, dass der künftige Augsburger Bischof der Diözese eine "hoffnungsvolle Perspektive für die Zukunft geben" werde.

Zdarsa werde wie bisher ein Seelsorger sein, "zu dem die Gläubigen Vertrauen haben". Die Ernennung zeige, welch große Wertschätzung Papst Benedikt dem 66-Jährigen entgegenbringe.

Mixa hatte dem Papst im April seinen Rücktritt angeboten, nachdem er wegen Prügel- und Untreuevorwürfen unter Druck geraten war. Benedikt XVI. nahm das Gesuch am 8. Mai an. Die Ernennung eines Nachfolgers ging außergewöhnlich schnell. Normalerweise zieht sich die Entscheidung über die Besetzung eines Bischofsstuhls über viele Monate hin.

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüßte die schnelle Ernennung eines Nachfolgers für den zurückgetretenen Augsburger Bischof Mixa durch den Papst. "Ich freue mich für die Gläubigen des Bistums Augsburg, dass sie so schnell einen neuen Hirten bekommen", sagte er. "Der Leitspruch von Bischof Konrad Zdarsa aus dem Epheserbrief 'Denn er ist unser Friede' ist ein gutes Programm für die anstehenden Aufgaben im Bistum Augsburg", fügte er hinzu. "Ich heiße den neuen Bischof in Bayern herzlich willkommen und freue mich auf ein baldiges persönliches Kennenlernen."

Doch müssen die rund 1,3 Millionen Katholiken in der Diözese Augsburg auf den 66-jährigen Zdarsa offiziell noch bis zum 23. Oktober warten. Ein früherer Termin für die Bischofsweihe sei nicht möglich gewesen, erklärte Grünwald. Dies habe der Terminkalender des Münchner Erzbischofs Marx, der als Metropolit an der Amtshandlung teilnehmen muss, so vorgegeben. An diesem Tag aber, so sagte ein sichtlich gelöster Grünwald, werde ihm "ein Stein vom Herzen fallen".

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