Neue Fernsehserie "Ich kann mich vollkommen einbringen als bayerischer Anarchist und Chaot"

Mit seiner neuen Serie "Über Land" arbeitet Regisseur Franz Xaver Bogner zum ersten Mal für das ZDF.

(Foto: Stephan Rumpf)

Franz Xaver Kroetz steht wieder vor der Kamera: In der neuen Serie "Über Land" spielt er einen Richter. Es geht um das Große im Kleinen - und ganz viel um Oberbayern. Ein Besuch am Set.

Von Franz Kotteder

Woher kennt man diese Konstellation? Ganz klar, vom "Königlich Bayerischen Amtsgericht" natürlich, jener legendären Fernsehserie von Georg Lohmeier mit dem Amtsgerichtsrat Alois Stierhammer (Hans Baur) in der Hauptrolle. Hier heißt der Richter allerdings Max Althammer und wird gespielt von Franz Xaver Kroetz, geschrieben wurden die Geschichten von Franz Xaver Bogner, der auch Regie führt.

Es ist bereits der zwölfte Drehtag, auf der Anklagebank sitzen Elisabeth Wasserscheid, bekannt aus dem Franken-"Tatort" und Viktoria Mayer, die beide das Opfer eines betrügerischen Liebhabers geworden sind und dann beschlossen haben, gemeinsam Rache zu nehmen. Richter Althammer-Kroetz hebt leicht die Stimme und will wissen: "Warum haben Sie die Wohnung von diesem Herrn zerstört?"

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"Über Land" heißt das neue Serienprojekt von Bogner, aber hier wird gerade in der Stadt gedreht, in der Münchner Holbeinstraße 11 bei der Deutschen Rentenversicherung Süd, die über einen Sitzungssaal verfügt, der mit seiner Holzvertäfelung frappant an einen Gerichtssaal vor 100 Jahren erinnert. Was Bogner und seine Produktionsfirma vermutlich nicht wissen: Vor 30 Jahren residierte hier noch der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes. 2006 wurde er im Zusammenhang mit einer Affäre beim Blutspendedienst wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Insofern ein juristisch vorbelasteter Ort also.

In "Über Land" geht es freilich um viel harmlosere Fälle. Die neue Serie, bei der Franz Xaver Bogner erstmals für das ZDF arbeitet, besteht vorerst aus einem 60-minütigen Piloten und zwei halbstündigen Folgen (ein Sendetermin steht noch nicht fest). Es geht um den alternden Richter Max, der nach einer dreijährigen Weltreise noch einmal arbeiten will, bevor die Pensionierung ansteht. Seine Chefin schickt ihn in die bayerische Provinz.

Weil er keinen Führerschein hat, braucht er eine Fahrerin, und er entscheidet sich für die von ihm schon einmal verurteilte ehemalige Kleinkriminelle Frieda Mirko (Maria Simon), die aus Ostberlin stammt und inzwischen ein kleines Taxiunternehmen hat. Zusammen mit ihr fährt er nun in einer 50 Jahre alten Citroën DS 21 übers Land, um über zum Teil kuriose Fälle zu urteilen. Und Frieda ermittelt für ihn die eine oder andere Hintergrundinformation zu diesen Fällen.

"Für mich war er die Idealbesetzung"

Somit spielen das Land und seine Menschen eine nicht unwichtige Rolle in Bogners neuer Serie. "Ursprünglich wollten wir die einzelnen bayerischen Regionen abklappern", sagt der Regisseur und Drehbuchautor, "weil das aber in Wirklichkeit so nicht möglich wäre, beschränken wir uns jetzt vorerst mal aufs Oberland." Das Amtsgericht sitzt nun in Berchtesgaden, dort wurden schon vier Tage lang die Außenaufnahmen gedreht. Die einzelnen Episoden spielen dann in Bayrischzell und Dietramszell.

Für das bayerische Lokalkolorit und ebensolche Figurenzeichnung bürgt ja schon der doppelte Franz Xaver. "Für mich war er die Idealbesetzung", sagt Bogner über Kroetz. "Bei ihm geht's zum Beispiel um drei gestohlene Glühbirnen", sagt wiederum Kroetz über Bogner, "es geht um wunderschöne kleine Geschichten, das gefällt mir."

Drei Jahre lang hat Kroetz nicht mehr gedreht, die angebotenen Rollen passten ihm nicht. Und dann setzt er, ganz typisch für ihn, wieder einmal zu einer Suada an: "Dieses inflationäre Gefuchtel mit Mord und Totschlag und Vergewaltigung und dieser ganze Scheißdreck interessiert mich nicht. Die können mich alle am Arsch lecken, auf Deutsch gesagt. Und das tun sie auch meistens." Franz Xaver Bogner aber habe ihm die Liebe am Schauspielerberuf zurückgegeben: "Es war kein Problem, mich zu überreden."

Und so ist er also nun als Richter Max Althammer unterwegs im Oberland, in der DS 21 statt im Porsche wie als Baby Schimmerlos. Doch Parallelen gibt es: "Ich muss mich diesmal ganz wenig verstellen, ich kann mich vollkommen einbringen als bayerischer Anarchist und Chaot. Damals in ,Kir Royal', das war auch weitgehend ich." Und Bogner findet, dass bayerische Richter von Haus aus etwas knorriger und individueller sind als anderswo: "Ich hab's gerne, wenn sich das Große im Kleinen findet und ich schlage mich gerne auf die Seite der kleinen Leute." Seine Richterfigur sei da genau richtig, weil sie um die menschliche Schwäche wisse und genau hinschaue.

Insofern hat man es bei Max Althammer also fast mit einem doppelten Selbstporträt der beiden Franz Xavers zu tun, wenn man die zwei richtig versteht. Was angesichts ihres langjährigen Schaffens wiederum nahelegt, dass es sich auch um das Porträt des bayerischen Oberlands handelt. Mal schauen, wie man das beim Sender in Mainz findet.

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