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Bayerischer Landtag:Neue Gesichter im Landtag

Heute konstituiert sich der neue Landtag in Bayern. Mit dabei eine CSU-Rebellin, zwei Schlagersänger und der "Supersepp" - die interessantesten Abgeordneten im Überblick.

Laura Weißmüller

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Gabriele Pauli; ddp

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Gabriele Pauli (FW)

Von Stoiber hat Gabriele Pauli genauso abgeschworen wie von seiner Partei. Die ehemalige Fürther Landrätin kandidierte bei den Landtagswahlen für die Freien Wählern. Nun hat ihre neue Partei zum ersten Mal den Sprung ins Maximilianeum geschafft.

Das Ergebnis von 10,2 Prozent bei den Landtagswahlen erklärt die 51-Jährige schon mal mit einem "Pauli-Faktor" - trotz ihrem etwas dürftigem Ergebnis von 7,3 Prozent im eigenen Wahlkreis Nürnberg-Nord.

Seit klar ist, dass die Freien Wähler auf der Oppositionsbank Platz nehmen werden, erübrigt sich das Hoffen auf einen Ministerposten. Die Partei hat sowieso anderes mit Gabriele Pauli vor: Statt Hubert Aiwanger dem Posten des Fraktionschefs streitig zu machen, soll die ehemalige CSU-Rebellin lieber ihrer neuen Partei ein Gesicht geben - auf den Sofas von Beckmann & Co.

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Claudia Jung; dpa

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Claudia Jung / Ute Singer (FW)

Claudia Jung bringt den Freien Wählern neben Pauli nicht nur ein weiteres bekanntes Gesicht, sondern liefert auch noch die passende Stimme dazu. Da wundert es nicht, dass die Schlagersängerin Jung die Politikerin Ute Singer auf Wahlkampfveranstaltungen unterstützt.

Jetzt darf die 44-Jährige im Landtag Platz nehmen und möchte sich dort für die Familien, die Bildung und die Gesundheit stark machen. Dass der Sängerin die nötige Bodenhaftung für das Amt einer Politikerin fehlt, versuchen die Parteifreunde zu entkräften: Keine "Gschaftlhuberin" sei sie, sondern ganz bodenständig.

Vielleicht stammt das ja noch aus ihrer Zeit vor dem Schlagerruhm: Bis 1994 arbeitete sie unter dem Namen Ute Brigitte Krummenast als Fotolaborantin, Arzthelferin und Urlaubsanimateurin. Heute lebt sie mit Mann und Tochter sowie 50 Tieren auf einem ehemaligen Bauernhof in der 3000-Einwohner-Gemeinde Gerolsbach.

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Florian Streibl; Hartmut Pöstges

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Florian Streibl (FW)

Florian Streibl ist durch seinen Vater mit der Politik aufgewachsen, aber selbst Politiker werden? Das wollte er eigentlich nie. Er studierte Theologie, später Jura und kandidierte bei den Landtagswahlen nun doch - aber nicht wie der Vater für die CSU, sondern für die Freien Wählern. Diese spiegeln für ihn heute stärker die Stimmung der Bürger wider und repräsentieren damit das, "für das mein Vater gekämpft hat".

Mit seiner Kandidatur wollte Streibl junior nun Edmund Stoiber in seinem Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beerben. Der Gedanke, den Mann zu verdrängen, der damals seinen Vater entmachtet hat, gefiel ihm. Nein, persönliche Rache sei das nicht, versicherte der 45-Jährige vor der Wahl, aber eine gewisse Genugtuung würde es ihm schon bereiten "diese Ironie des Schicksals". Den Stimmkreis hat er der CSU zwar jetzt nicht abgenommen, aber in den Landtag hat er es trotzdem geschafft: über die oberbayerische Liste der FW.

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Hubert Aiwanger; ddp

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Hubert Aiwanger (FW)

Der Landeschef der Freien Wähler hat alles, um als Anwalt der kleinen Leute durchzugehen: Er bewirtschaftet immer noch zusammen mit seinen Eltern einen Bauernhof in Rahstorf bei Rottenburg an der Laaber, fährt selbst zu all seinen Terminen und spricht einen starken niederbayerischen Dialekt. Fehlende Bodenhaftung kann man Aiwanger also schlecht vorwerfen, eher vielleicht mangelnde politische Erfahrung.

Der 37-jährige ledige Agraringenieur ist seit zwei Jahren Landesvorsitzender der Freien Wähler, erst nach den Kommunalwahlen in diesem März sitzt er im Stadtrat in Rottenburg. Seine politischen Ziele klingen bekannt: mehr Kinderbetreuung, kleinere Klassen, ein wohnortnahes Gesundheitssystem und mehr Straßen. Wie er das alles finanzieren möchte, verrät er nicht.

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Martin Zeil; AP

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Martin Zeil (FDP)

Der Spitzenkandidat der FDP spricht so wie er aussieht: ruhig, sonor - kurz: Einer fürs Rampenlicht ist Manfred Zeil nicht gerade. Wahrscheinlich hat die politische Karriere des dreifachen Vaters deswegen so lange gebraucht, bis sie Fahrt angenommen hat.

Knapp 20 Jahre saß der 51-jährige Zeil im Gemeinderat von Gauting und im Starnberger Kreistag, außerdem war er zweiter Bürgermeister und stellvertretender Landrat. Für die ersten Plätze hat es damals jeweils nicht gereicht. Auch im Bundestag ist er noch nicht allzu lange, seit 2005 sitzt er dort im Wirtschaftsausschuss.

Doch mit dem Aufstieg der Partei kam auch Zeils Karriere in Schwung: Seit zwei Jahren ist er nicht nur der Generalsekretär der Landes-FDP, sondern auch ihr Spitzenkandidat. Seine Themenschwerpunkte liegen in der Wirtschaft und im Mittelstand - nicht zuletzt, weil er in der Rechtsabteilung einer Privatbank arbeitet. Das Bundestagsmandat wird Zeil in Kürze niederlegen, nachrücken wird als nächster auf der Liste Erwin Lotter aus Augsburg.

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Tobias Thalhammer; Claus Schunk

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Tobias Thalhammer (FDP)

Mit seinen 29 Jahren ist Tobias "Toby" Thalhammer der jüngste Landtagsabgeordnete in ganz Bayern. Trotzdem bringt er schon reichlich Bühnenerfahrung mit: Der Diplomkaufmann arbeitet nebenberuflich als Schlagersänger, Marke Weichspüler ("Träumen ist nicht verboten"). Auf der politischen Bühne ist Thalhammer dagegen kein Traumtänzer: 2000 fing er bei den Jungen Liberalen an, zwei Jahre später trat er in die FDP ein.

Bei der konstituierenden Sitzung darf der FDP-Politiker jetzt als Jüngster im Landtag bei der Wahl des Landtagspräsidenten der Alterspräsidentin Barbara Rütting (Grüne) zur Seite stehen und mit ihr die erste Sitzung leiten. Damit trifft nicht nur alt auf jung, sondern auch Schlagersänger auf Schauspielerin. Zu Rüttings bekanntestem Film zählt "Die Geierwally".

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Sepp Daxenberger; ddp

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Sepp Daxenberger (Grüne)

Sepp Daxenberger kommt einer Revolution in Bayern gleich: katholisch, Landwirt, zwölf Jahre lang Bürgermeister von Waging am See - und das alles als grüner Politiker. Das gab es noch nie im Freistaat. Sein Kosename "Supersepp" trifft seine Stellung in der notorisch streitlustigen Partei: Mit satten 93,1 Prozent wählten ihn die Delegierten auf dem Parteitag in Landshut zu ihrem Spitzenkandidaten. Zwar schaffte er die angepeilten zehn Prozent bei den Landtagswahlen gerade nicht, trotzdem erzielten die Grünen mit 9,4 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte in Bayern.

Der Biobauer setzt sich für einen höheren Milchpreis ein, kämpft gegen Gentechnik und punktet dadurch bei seinen Bauernkollegen. Da Daxenberger an einer bösartigen Form von Knochenkrebs erkrankt ist, entschied er sich im Herbst des vergangenen Jahres gegen eine erneute Kandidatur um das Bürgermeisteramt in Waging. Trotz seiner Erkrankung zieht er jedoch jetzt für die Grünen in den Landtag. Auf Anhieb wurde Daxenberger zuvor zum Fraktionsvorsitzenden gewählt, als Landeschef wird er nun nicht mehr kandidieren.

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Paul Wengert;

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Paul Wengert (SPD)

Für viele kam die Abwahl des Augsburger Oberbürgermeisters im März diesen Jahres überraschend, konnte doch Paul Wengert für seine erste Amtszeit eine durchaus positive Bilanz ziehen: Als OB hat er überregional bedeutsame Projekte angeschoben, das kulturelle Profil der Stadt geschärft und den Hauptbahnhof zur Verkehrsdrehscheibe umbauen lassen.

Doch viele Augsburger hatten am Schluss seiner Amtszeit den Eindruck, der ehemalige Staatsanwalt und Richter entscheide über ihre Köpfe hinweg - sie gaben bei den Kommunalwahlen dem CSU-Kandidaten den Vorzug. Jetzt zieht der 55-jährige Vater von zwei Töchtern in den bayerischen Landtag.

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Beate Merk; dpa

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Beate Merk (CSU)

Beate Merk ist zwar als bisherige Justizministerin von Bayern alles andere als ein Neuling auf der politischen Bühne, bislang führte sie aber ihre Rolle ohne Landtagsmandat aus. Das hat sich jetzt geändert. Aber wahrscheinlich wird die promovierte Juristin bald ihren Ministerposten an die FDP abgeben müssen.

Dabei hatte sich die 51-Jährige gerade wieder ihren Justizbediensteten angenähert: Lange warfen die ihr vor, dass sie zu wenig gegen die Abschaffung des Bayerischen Obersten Landesgerichts unternommen hatte. Zu Merks jugendlichem Aussehen passt ihr rasanter politischer Aufstieg: Bis vor fünf Jahren als Oberbürgermeisterin von Neu-Ulm und Schriftführerin des CSU-Präsidiums nur auf regionaler Ebene aktiv, wurde sie 2003 erst stellvertretende Parteivorsitzende der CSU und dann die neue Justizministerin von Bayern.

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Alexander Radwan; oh

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Alexander Radwan (CSU)

In Zeiten purzelnder Aktienkurse und Milliarden Euro schweren Rettungspaketen ist Alexander Radwan ein gefragter Mann: Er arbeitet seit 2004 als wirtschaftspolitischer Sprecher der CSU im Europaparlament. Jetzt wird der Schatzmeister der CSU seinen Schreibtisch in Brüssel mit einem in München tauschen und als Landtagsabgeordneter für seine Partei im Maximilianeum Platz nehmen.

Foto: oh

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