Bahnvorstand: Interne Prognose Schnellstrecke nach Berlin wird erst 2041 fertig

Die ICE-Strecke von Nürnberg nach Erfurt wird, falls weiter im bisherigen Tempo gebaut wird, erst 2041 fertig sein. Das geht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung' aus internen Unterlagen der Deutschen Bahn (DB) hervor.

Von Klaus Ott

Für die ICE-Trasse zwischen Nürnberg und Erfurt fehlen noch mehrere Milliarden Euro vom Bund. Offenbar erhält die Bahn vom Bund zu wenig Geld. Ursprünglich sollte der ICE bereits von 2012 an in weniger als vier Stunden von München nach Berlin fahren.

Noch 34 Jahre lang müssen sich die Fahrgäste der Bahn nach dem derzeitigen Stand der Dinge gedulden, ehe sie zügig von Bayern in die Hauptstadt gelangen. Als neuestes Datum für die Fertigstellung der fünf Milliarden Euro teuren Hochgeschwindigkeitstrasse von Nürnberg durch den Thüringer Wald nach Erfurt hat der DB-Vorstand dem Aufsichtsrat des Staatsunternehmens jetzt Ende 2041 genannt.

So steht es in einer Vorlage für das Kontrollgremium, das am Mittwoch in Berlin tagt. Bliebe es dabei, dann käme erst die nächste Generation der Bahnkunden in den Genuss dieser schnellen Nord-Süd-Verbindung.

Botschaft der Bahn

Nach Einschätzung des CDU-Bundestagsabgeordneten Georg Brunnhuber wollen Bahnchef Hartmut Mehdorn und seine Vorstandskollegen zum Ausdruck bringen, dass ,,mit der jetzigen Finanzierung aus diesem Projekt nichts wird''. Brunnhuber gehört dem Aufsichtsrat der DB an. Der Abgeordnete sagte auf Anfrage, die Bundesregierung müsse deutlich mehr Geld für die ICE-Strecke bereitstellen.

Das Datum Ende 2041 sei eine Botschaft der Bahn an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). ,,Wenn du uns verhungern lässt, bekommst du diese Strecke die nächsten drei Jahrzehnte nicht.'' Brunnhuber sagte, er könne dem Bahnvorstand ,,nur gratulieren, dass er das so klar aufgeschrieben hat und alle politisch Verantwortlichen und alle Bürger nun wissen, woran sie sind''.

Das Bundesverkehrsministerium erklärte, die ICE-Strecke solle 2017 in Betrieb genommen werden. Das sei das Ziel der Bundesregierung. ,,Es gibt keinen Grund, von diesem Ziel abzuweichen'', sagte ein Sprecher des Verkehrsressorts in Berlin.

Die Bahn äußerte sich nicht. Man kommentiere interne Papiere öffentlich nicht, erklärte ein Bahnsprecher. Aus Unternehmenskreisen verlautete, die DB strebe an, die ICE-Trasse in den nächsten zehn Jahren fertigzustellen. Das setze aber eine entsprechende Finanzierung durch den Bund voraus.

Die ,,Soda-Brücke''

Nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums müsste der Bund ,,erhebliche zusätzliche Mittel'' aufbringen, damit in zehn Jahren die ersten Züge fahren könnten. Bislang stelle der Bund nur Geld bis 2010 bereit, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in München.

Danach gebe es eine große Finanzierungslücke, die über drei Milliarden Euro betrage. Dass die Strecke angeblich erst im Jahr 2041 in Betrieb gehen könne, habe die Bahn der CSU-Regierung im Freistaat noch nicht mitgeteilt. ,,Damit wären wir auch nicht einverstanden'', sagte die Sprecherin.

Gebaut worden sind bislang einzelne Streckenteile, darunter eine 20 Millionen Euro teure Brücke im oberfränkischen Rödental. Lokalpolitiker befürchten, bevor dort die ersten Züge unterwegs seien, müsse die Brücke schon wieder saniert werden. Die Bevölkerung nennt das Bauwerk die ,,Soda''-Brücke, weil sie jahrzehntelang einfach ,,so da'' stehe.

Blamage für Deutschland

Solche Bedenken hat auch ein Mitglied des DB-Aufsichtsrates. Bei einer Vollendung des Projekts im Jahr 2041 müsse man große Teile der Trasse erst einmal reparieren. Was hier geschehe, sei eine Blamage für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Für das Großprojekt, das vor allem wegen der vielen Brücken und Tunnel im Neubauabschnitt zwischen dem fränkischen Ebensfeld und Erfurt so teuer kommt, hat sich Bahnchef Mehdorn immer wieder eingesetzt. Den Kunden sei die heutige Reisezeit von sechseinhalb Stunden zwischen München und Berlin nicht zumutbar, sagt Mehdorn. Erst bei einer Fahrt von weniger als vier Stunden sei der ICE für Geschäftsreisende eine Alternative zum Flugzeug.

Was aus dem Vorhaben wird, das beschäftigt nun den Aufsichtsrat der Bahn. Brunnhuber betont, die DB habe keine Möglichkeit, mit eigenem Geld die fehlenden Mittel des Bundes zu ersetzen. Jetzt sei die Politik gefordert, sagt der CDU-Abgeordnete an die Adresse der eigenen Koalition. Die von Union und SPD getragene Bundesregierung müsse die Frage beantworten, ,,ob wir auf ein Wunder warten wollen oder ob wir Mittel zu Gunsten der Bahn umschichten''.