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Augsburg:Bistum revidiert Mixas Entscheidung

Es brennt im Bistum Augsburg mehr denn je. Die neue Leitung beugt sich bei einer Personalie den massiven Protesten. Doch das ist nicht das einzige Problem.

Es ist Ulrichswoche in der Diözese Augsburg. Am Samstag feierten die Katholiken ihren Bistumspatron mit der Erhebung des Schreins mit den Gebeinen des heiligen Ulrich in der Basilika Sankt Ulrich und Afra. Für die Diözese ist es nach eigenen Angaben der "traditionelle geistliche Höhepunkt" des Jahres.

Mixa, Augsburg

Bischofspalais in Augsburg: Nach wie vor verlaufen tiefe Gräben kreuz und quer durchs Bistum.

(Foto: dpa)

Doch hinter den Kulissen ist den Weihbischöfen und Domkapitularen gar nicht feierlich zumute: Getrieben von Protesten der Religionslehrer, musste die neue Bistumsleitung eine Personalentscheidung des zurückgetretenen Bischofs Walter Mixa revidieren. Es war ein Befreiungsschlag, doch es brennt im Bistum mehr denn je: Nach wie vor ist von tiefen Gräben die Rede, die kreuz und quer durchs Bistum verlaufen. Nach wie vor sind die Austrittszahlen hoch, allein in Augsburg verabschiedeten sich im Juni 164 Christen aus der Kirche. Und nach wie vor betreibt der ehemalige Pressesprecher Dirk Hermann Voß auf Kosten der Kirchensteuerzahler Propaganda für seine erzkonservative politische Vereinigung Paneuropa-Union.

Nach zahlreichen Diskussionen und Protestbriefen hat die Bistumsleitung am Montag reagiert: Die Dogmatik-Professorin Gerda Riedl wird nun doch nicht Leiterin der Hauptabteilung Schulischer Religionsunterricht. Der emeritierte Bischof Walter Mixa hatte seine Vertraute auf diesen Posten gehievt - an allen Gremien vorbei und unter Missachtung des laufenden Ausschreibungsverfahrens, wie aus Bistumskreisen bestätigt wird. Die 48-Jährige erhält nun einen anderen Posten, die Stelle des Abteilungsleiters wird nochmals ausgeschrieben.

Die Rücknahme von Mixas umstrittenen Personalentscheidungen war auch eine Forderung der sogenannten Pfingsterklärung, die Priester und Laien aus dem Bistum veröffentlicht hatten. Die Initiatoren überreichten Diözesan-Administrator Josef Grünwald am Sonntag mehr als 4000 Unterschriften, die auch eine gründliche Aufarbeitung der Mixa-Affäre fordern. Mixa wird vorgeworfen, Heimkinder geschlagen und Stiftungsgeld veruntreut zu haben, im Zuge dieser Affäre musste er zurücktreten.

Auch sein Pressesprecher Dirk Hermann Voß wurde damals entlassen, ihm wurde allenthalben vorgeworfen, seinen Bischof schlecht beraten zu haben. Als Geschäftsführer des bistumseigenen Sankt-Ulrich-Verlages blieb Voß allerdings im Amt - bis heute ist er verantwortlich für die Katholische Sonntagszeitung sowie für das Internetfernsehen Katholisch1-TV. Diözesanadministrator Grünwald rügte Voß zwar bereits für seine "unsachliche und tendenziöse Berichterstattung". Doch ungeachtet dieser Kritik macht er weiter wie bisher.

Jüngst berichtete die Katholische Sonntagszeitung auf einer halben Seite über die Paneuropa-Tage im hessischen Heppenheim. Auf dem Farbfoto ist auch Voß zu sehen - "der Herausgeber unserer Zeitung und internationale Vizepräsident" der Paneuropa-Union. Die gleichzeitig stattfindende Diskussion über Bischof Mixa und dessen Rückkehr in das Bischofspalais war dem Blatt keine Zeile wert. In Heppenheim war auch Katholisch1-TV mit einem Kamerateam präsent. Die Reise hat sich gelohnt, es gab prächtige Bilder: Kardinal Karl Lehmann pries im Interview die Paneuropa-Union, im Hintergrund flatterten die Parteifahnen im Sonnenlicht. "Die Prawda ist ein Dreck dagegen", sagt ein ehemaliges Mitglied des Priesterrates über die Bistums-Medien.

Diözesan-Administrator Grünwald hat die Pfingsterklärung mit Wohlwollen entgegengenommen, Mitte Juli will er sich mit den Initiatoren treffen. Ob die Bistums-Medien darüber berichten werden, ist eher fraglich. Die Ulrichswoche hingegen wird sicherlich berücksichtigt werden. Sie steht unter dem biblischen Motto "Nehmt Neuland unter den Pflug, es ist Zeit, den Herrn zu suchen."

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