Aicher-Gruppe "Herr Aicher geht über Leichen"

Patriarch, Workaholic und Alleinherrscher: Max Aicher arbeitet mit 75 Jahren noch 12 Stunden am Tag und entsetzt seine Angestellten mit drastischen Ideen.

Von Stefan Mayr

Das waren noch Zeiten, als Max Aicher im Jahr 1994 vom damaligen bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse überreicht bekam. "Sie haben sich durch vorbildliche unternehmerische Leistungen um das Gemeinwohl verdient gemacht", sprach Wiesheu. Die Auszeichnung galt als Belohnung für die vorläufige Rettung des Stahlwerks Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg - Aicher hatte Anteile vom Freistaat übernommen, um den Konkurs abzuwenden.

Max Aicher gilt als knallharter Firmenpatriarch

(Foto: Foto: dpa)

Aber 2002 kam die Pleite dann doch noch. Die Arbeiter standen auf der Straße und gaben Aicher die Schuld. Otto Wiesheu warf Aicher den Bruch früherer Zusagen vor und bezeichnete sein Gebaren als "unglaubliches Spiel". Noch deutlicher wurde Edmund Stoiber: Es sei sehr schwer, bei jemandem etwas zu erreichen, der destruktiv und egozentrisch veranlagt sei, sagte der damalige Ministerpräsident.

Dabei ist Max Aicher, 75, gewiss nicht immer destruktiv; im Jahr 1964 musste er als 30-jähriger Bauingenieur die kleine Baufirma seines verstorbenen Vaters, des Maurermeisters Max Aicher sen., übernehmen. Er baute den Betrieb aus dem oberbayerischen Freilassing zu einem Konzern mit mehr als 40 Firmen aus, die in Deutschland, Österreich, Tschechien, Ungarn und Rumänien Stahl produzieren, Schrott recyceln, Häuser planen, bauen und verkaufen.

Heute hat die Aicher-Gruppe 3000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von 1,5Milliarden Euro, dabei sind die Firmen von Aichers Ehefrau noch nicht inbegriffen.

Bei seiner Expansion schreckte Aicher nicht vor der Übernahme von Konkursfirmen zurück, um die andere einen großen Bogen machten. Zum Beispiel die Lechstahlwerke in Meitingen bei Augsburg, die wenig später einen Produktionsrekord nach dem anderen brachen.

Nun fordert Aicher die Belegschaft auf, die Wochenarbeitszeit von 39,5 auf 48 Stunden zu erhöhen. Der Aufschrei bei Beleg- und Gewerkschaft ist enorm: Vertreter der IG Metall bezeichnen den Vorstoß als "Rückfall ins Jahr 1956", der "nicht verhandelbar" sei.

Sollte sich Aicher mit seiner Forderung auch nur annähernd durchsetzen, fürchtet die Gewerkschaft um die Gesundheit der ohnehin strapazierten Arbeiter und die Stabilität der Tariflandschaft. Max Aicher selbst sagt zu solchen Vorwürfen nur lapidar: "Und wenn schon." Das sei immer noch besser, "als dass alle Arbeitsplätze ins Ausland gehen."

Es ist nicht die erste drastische Idee, mit der Max Aicher Aufsehen erregt. So schlug er nach den Terroranschlägen 2001 vor, alle deutschen Kernkraftwerke zu ummanteln - für 100 Millionen Mark das Stück. Obwohl er bereits 75 Jahre alt ist und das operative Geschäft an junge Manager übergeben hat, arbeitet er nach eigenen Angaben immer noch zwölf Stunden pro Tag. "Um fit zu bleiben", wie er sagt.

Insider berichten, dass bis heute keine Entscheidung ohne Aichers Segen fällt. Auf die Frage, ob er ein Patriarch sei, antwortet Aicher schlicht: "Ja." Ein Betriebsrat der Lechstahlwerke sagt: "Herr Aicher ist ein Alleinherrscher, um seine Ideen zu verwirklichen, geht er über Leichen."